Resilienz · 10 Min. Lesezeit ·

Peer-Support für Trauerredner: Netzwerk aufbauen

Vier Trauerredner sitzen an einem Cafetisch im Gespräch — kollegiale Runde bei einem Netzwerktreffen

Peer-Support für Trauerredner: Warum du ein Kollegennetzwerk brauchst

Dienstagabend, 19 Uhr, Cafe Schwesterherz in Münster. Vier Trauerredner sitzen an einem runden Tisch im Hinterzimmer. Notebooks zugeklappt, Handys umgedreht. Auf dem Tisch stehen vier Kaffeetassen und eine Sanduhr.

Lena Vogt, seit sieben Jahren im Beruf, dreht die Sanduhr um. “Ich fang an. Letzte Woche, Waldfriedhof Lauheide. Eine Frau, 38, Brustkrebs. Zwei Kinder, 4 und 6. Der Mann hat beim Trauergespräch gesagt: Die Kinder wissen es noch nicht.”

Die anderen hören zu. Niemand unterbricht. Die Sanduhr läuft.

Das ist Peer-Support. Kein Coach, kein Supervisor, kein Therapeut. Vier Kolleginnen und Kollegen, die denselben Beruf ausüben und sich regelmässig treffen, um über das zu sprechen, was sie am Pult und im Trauergespräch erleben. Strukturiert, vertraulich und ohne Honorargeplänkel.

Auf einen Blick

  • Peer-Support ist strukturierter Austausch unter Kollegen — kein lockerer Stammtisch.
  • Die ideale Gruppe hat 3 bis 6 Personen und trifft sich monatlich.
  • Vertraulichkeit ist die Grundregel: Was in der Gruppe bleibt, bleibt in der Gruppe.
  • Anlaufstellen im DACH-Raum: BATF, Alumni-Netzwerke, Facebook-Gruppen für Trauerredner.
  • Eine Peer-Gruppe ergänzt professionelle Supervision, ersetzt sie aber nicht.

Warum Solo-Selbstständige besonders gefährdet sind

Du arbeitest allein. Kein Teambüro, kein Pausenraum, kein Flurgespräch nach einer schwierigen Sitzung. Du fährst allein zum Friedhof, stehst allein am Pult und fährst allein zurück. Die Familie bedankt sich, der Bestatter nickt, und dann sitzt du im Auto.

In angestellten Berufen, die mit Tod und Trauer arbeiten, gibt es institutionelle Puffer. Die Hospizschwester hat nach der Schicht ein Team, das debrieft. Der Pfarrer hat Kollegen im Gemeinderat, die wissen, was der Beruf bedeutet. Die Notfallseelsorgerin hat Supervision, bezahlt von der Kirche.

Trauerredner haben nichts davon. Und die meisten merken es erst, wenn es zu spät ist.

Sven Brinkmann, Redner aus Bremen, hat die ersten vier Jahre solo gearbeitet. 60 Feiern im Jahr, kein Austausch, keine Reflexion. “Ich dachte, ich schaff das allein. Ich bin ja Profi. Dann hatte ich innerhalb von drei Wochen zwei Kindstod-Feiern und einen Suizid eines Jugendlichen. Nach dem dritten Fall habe ich zwei Tage lang das Haus nicht verlassen. Nicht weil ich krank war — sondern weil ich nicht wusste, wohin mit dem, was sich angestaut hatte.”

Sven hat danach eine Kollegin angerufen, die er von einer Fortbildung kannte. Sie hat zugehört. Eine Stunde am Telefon. “Danach war die Last nicht weg. Aber sie war geteilt. Und das war der Unterschied.”

Drei Gründe, warum Peer-Support für Solo-Selbstständige kein Luxus, sondern Berufsschutz ist:

Erstens: Normalisierung. Du hörst, dass andere Profis mit denselben Situationen kämpfen. Die Kollegin mit 200 Feiern Erfahrung sagt: “Ja, Kindstod-Fälle treffen mich auch nach 15 Jahren.” Das allein entlastet — weil du aufhörst zu glauben, dass du etwas falsch machst.

Zweitens: Perspektivwechsel. Du bist zu nah an deinem eigenen Fall. Eine Kollegin sieht Dinge, die du nicht siehst. Vielleicht hat dich der Satz der Witwe nicht wegen der Witwe getroffen — sondern wegen deiner eigenen Ehe. Diesen Gedanken hättest du allein nie gehabt.

Drittens: Praxiswissen. Wie gehst du damit um, wenn ein Angehöriger während der Rede aufsteht und den Raum verlässt? Was sagst du, wenn der Bestatter nach der Feier Kritik an deiner Rede übt? Peer-Gruppen sind ein Fundus an Erfahrung, der in keiner Fortbildung steht.


Formate: Was passt zu dir?

Nicht jeder Austausch ist gleich. Vier Formate, die im DACH-Raum funktionieren — von niedrigschwellig bis strukturiert.

Der Redner-Stammtisch

Das einfachste Format. Vier bis acht Trauerredner treffen sich alle vier bis sechs Wochen in einem Cafe oder Restaurant. Kein festes Programm, keine Moderation. Man redet über Aufträge, Honorare, Bestatter, schwierige Familien.

Heike Brandt, Rednerin aus Nürnberg, organisiert seit drei Jahren einen Stammtisch im Gasthaus Pilsbar am Tiergärtnertorplatz. Fünf bis sieben Redner kommen regelmässig. “Der Stammtisch ist Gold wert für Netzwerk und Branchenwissen. Aber für die schweren Sachen — dafür reicht er nicht. Dafür brauche ich den engeren Kreis.”

Stärken: Niedrige Hemmschwelle. Gut für Berufseinsteiger, die Kontakte suchen. Nützlich für praktische Fragen — Honorar, Rechtsform, Zusammenarbeit mit Bestattern.

Grenzen: Zu unstrukturiert für emotionale Themen. Zu viele Teilnehmer für echte Offenheit. Kein Vertraulichkeitsrahmen.

Die Online-Austauschgruppe

Ein fester Kreis von drei bis sechs Rednern, die sich per Videocall treffen. Monatlich, 60 bis 90 Minuten. Ein loses Format — jeder berichtet kurz, was ihn beschäftigt, dann vertieft die Gruppe ein bis zwei Themen.

Stärken: Ortsunabhängig. Perfekt für Redner in ländlichen Regionen, wo es im Umkreis von 100 Kilometern keine anderen Trauerredner gibt. Kein Anfahrtsweg, kein Parkplatz, kein verlorener Halbtag.

Grenzen: Die menschliche Nähe eines persönlichen Treffens fehlt. Nonverbale Signale gehen verloren. Und die Versuchung, nebenbei Emails zu checken, ist grösser als am Kaffeetisch.

Die Intervisionsgruppe

Das strukturierteste Peer-Format — kollegiale Fallberatung ohne externen Supervisor. Drei bis sechs Redner, festes Zeitformat, rotierende Moderation. Ein Teilnehmer bringt einen Fall ein, die anderen folgen einem klaren Ablauf: Zuhören, Fragen stellen, Hypothesen formulieren, Rückmeldung geben.

Stefan Moser, Redner aus Graz, hat vor zwei Jahren eine Intervisionsgruppe gegründet. Vier Mitglieder, monatlich, in einem Seminarraum im Bildungshaus Mariatrost. “Am Anfang haben wir einfach geredet. Das war nett, aber es hat nichts gebracht. Dann haben wir ein festes Format eingeführt — 10 Minuten Fallschilderung, 5 Minuten Fragen, 15 Minuten Hypothesen, 5 Minuten Rückmeldung. Seitdem ist jedes Treffen ergiebig.”

Stärken: Hohe Qualität bei niedrigen Kosten. Der strukturierte Ablauf verhindert Abdriften. Der Perspektivwechsel ist konkret und fallbezogen.

Grenzen: Erfordert Disziplin von allen Teilnehmern. Funktioniert nur, wenn sich die Gruppe auf Regeln einigt — und sie einhält. Ohne Struktur wird jede Intervisionsgruppe nach drei Treffen zum Stammtisch.

Das Alumni-Netzwerk

Viele Ausbildungsinstitute für Trauerredner im DACH-Raum bieten nach dem Abschluss Alumni-Treffen an — jährlich, halbjährlich oder als lose Online-Gruppe. Die Teilnehmer kennen sich aus der Ausbildung, teilen die gleiche Grundphilosophie und haben den Berufseinstieg gemeinsam erlebt.

Stärken: Das Vertrauen ist bereits da. Du musst niemanden überzeugen, dass der Beruf emotional belastend ist — alle wissen es.

Grenzen: Alumni-Treffen sind oft zu gross und zu selten für echten Peer-Support. Sie eignen sich gut als Einstieg, aus dem du einen engeren Kreis für regelmässige Treffen gewinnst.


Anlaufstellen im DACH-Raum

Wo findest du Gleichgesinnte, ohne ins Leere zu posten? Drei Wege, die funktionieren.

BATF — Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier e.V. Der grösste Berufsverband für Trauerredner in Deutschland. Der BATF organisiert regelmässig Treffen, Fortbildungen und Netzwerk-Events. Hier triffst du Kolleginnen und Kollegen persönlich — der beste Ausgangspunkt, um Kontakte für eine eigene Peer-Gruppe zu knüpfen.

Facebook-Gruppen für Trauerredner. Es gibt mehrere deutschsprachige Gruppen mit Hunderten Mitgliedern. Die Qualität schwankt — manche Gruppen bestehen vor allem aus Eigenwerbung und Honorardiskussionen. Suche nach Gruppen, die sich explizit an praktizierende Trauerredner richten, nicht an Interessierte. Poste mit Klarnamen und Ort: “Suche 2-3 Kolleg*innen im Raum Stuttgart für monatliches Peer-Treffen.” Das ist konkreter als “Kennt jemand jemanden?”

Alumni deines Ausbildungsinstituts. Frag bei deinem Institut nach, ob es eine Alumni-Liste gibt. Die meisten geben sie nicht heraus, aber sie leiten eine Anfrage weiter: “Absolventin aus dem Jahrgang 2024 sucht Kolleginnen für Austauschgruppe im Raum XY.”

Ein Wort zur Konkurrenz. Viele Redner zögern, sich mit Kollegen in der eigenen Region zu vernetzen. Die Angst: Der andere klaut mir Aufträge. Die Realität: In jeder Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern gibt es genügend Trauerfaelle für alle. Und der Redner, mit dem du dich monatlich triffst, ist derselbe, der deinen Fall übernimmt, wenn du nach einer schwierigen Feier nicht kannst. Netzwerk ist kein Verlust — es ist Absicherung.


Eine eigene Peer-Gruppe gründen: Die Anleitung

Du hast zwei, drei Kontakte. Du willst es ausprobieren. Hier ist der Weg — Schritt für Schritt, pragmatisch, ohne Organisationstheorie.

Schritt 1: Drei bis sechs Personen finden

Nicht mehr, nicht weniger. Bei drei Teilnehmern ist die Gruppe verwundbar — ein Ausfall und es bleibt ein Zweiergespräch. Bei sieben oder mehr wird die Runde zu gross, und die Tiefe geht verloren. Vier bis fünf ist der Sweet Spot.

Die Mitglieder müssen keine Freunde sein. Sie müssen Profis sein, die den Beruf ernst nehmen und bereit sind, sich zu öffnen. Lieber eine Kollegin, die du kaum kennst und die ehrlich ist, als ein Kumpel, der alles witzig kommentiert.

Schritt 2: Die Grundregeln vereinbaren

Beim ersten Treffen — und es muss beim ersten Treffen sein, nicht irgendwann — werden vier Regeln besprochen und von allen bestätigt:

Regel 1: Vertraulichkeit. Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe. Keine Ausnahme. Nicht mal gegenüber dem Ehepartner, nicht mal andeutungsweise.

Regel 2: Anonymisierung. Wenn du über einen Fall sprichst, anonymisierst du die Familie. Keine echten Namen, keine Details, die eine Identifikation ermöglichen. Das schützt die Familien — und es schützt dich.

Regel 3: Kein Klatsch, kein Vergleich. Die Gruppe ist kein Ort, um über Bestatter zu lästern oder Honorare zu vergleichen. Dafür gibt es den Stammtisch. Hier geht es um Fälle, Belastung und berufliche Reflexion.

Regel 4: Verbindlichkeit. Wer dabei ist, kommt. Nicht jedes zweite Mal. Nicht “wenn ich Zeit habe”. Die Gruppe funktioniert nur, wenn alle regelmässig kommen. Wer dreimal hintereinander fehlt, ist raus — nicht als Strafe, sondern weil eine instabile Besetzung das Vertrauen zerstört.

Schritt 3: Ort und Rhythmus festlegen

Monatlich, immer am gleichen Wochentag, immer zur gleichen Uhrzeit. Dienstag, 19 Uhr. Oder Freitag, 14 Uhr. Die Konstanz ist wichtiger als die Bequemlichkeit. Wenn der Termin jedes Mal neu ausgehandelt wird, stirbt die Gruppe nach dem vierten Treffen.

Der Ort: Ein Hinterzimmer in einem Cafe, ein Seminarraum, eine Wohnung. Kein offener Gastraum — du brauchst Privatsphäre, um über Kindstod-Fälle zu sprechen. Und kein Büro eines der Teilnehmer — das erzeugt ein Machtgefälle.

Anja Richter, Rednerin aus Leipzig, hat ihre Gruppe in der Konditorei Kaffeehaus Riquet angemeldet. “Die haben ein Hinterzimmer, das sie Vereinen kostenlos leihen. Wir bestellen Kaffee und Kuchen, und die sind glücklich. Win-win.”

Schritt 4: Das Format wählen

Zwei Optionen, die sich bewährt haben:

Option A: Die Runde. Jeder Teilnehmer hat 10 bis 15 Minuten. Er berichtet kurz, was ihn seit dem letzten Treffen beschäftigt hat. Die Gruppe hört zu und stellt Fragen. Kein Zeitdruck, kein formaler Ablauf. Funktioniert gut für den Anfang, wenn sich die Gruppe noch findet.

Option B: Das Intervisionsformat. Ein Teilnehmer bringt einen Fall mit. Die Runde folgt einem festen Ablauf: 10 Minuten Schilderung, 5 Minuten Verständnisfragen, 15 Minuten Hypothesen und Perspektiven, 5 Minuten Rückmeldung des Fallgebers. Bei 90 Minuten Gesamtzeit schafft die Gruppe zwei Fälle. Funktioniert, wenn die Gruppe nach zwei bis drei Treffen in der Runde bereit ist für mehr Struktur.

Schritt 5: Den ersten Abend überstehen

Der schwierigste Moment. Fünf Redner sitzen zum ersten Mal zusammen, und niemand weiss, wie offen er sein soll. Die Hemmschwelle ist hoch — nicht weil die Bereitschaft fehlt, sondern weil das Vertrauen noch nicht da ist.

Ein Trick, den Stefan Moser in Graz nutzt: “Beim ersten Treffen stelle ich jedem die gleiche Frage: Welcher Fall aus dem letzten halben Jahr hat am längsten nachgewirkt? Nicht der schlimmste — der, der am längsten geblieben ist. Die Antworten sind immer ehrlich. Und danach ist das Eis gebrochen.”


Was in einer guten Peer-Gruppe besprochen wird

Drei Kategorien, die den Unterschied zwischen nützlichem Austausch und Zeitverschwendung markieren.

Kategorie 1: Fälle, die nachgewirkt haben

Der Kern. Eine Feier, ein Trauergespräch, eine Situation am Pult, die dich nicht loslässt. Du schilderst den Fall, die Gruppe hört zu, und dann passiert das, was allein nicht passiert: Perspektivwechsel.

Lena Vogt, die Rednerin aus Münster, beschreibt einen Moment in ihrer Gruppe: “Ich habe über eine Feier erzählt, bei der der Vater des Verstorbenen mich nach der Rede angeschrien hat — ich hätte seinen Sohn nicht richtig dargestellt. Ich war fertig. In der Gruppe hat eine Kollegin gefragt: Hat der Vater vorher am Trauergespräch teilgenommen? Nein, hatte er nicht. Dann war klar: Seine Wut galt nicht mir, sondern der Tochter, die das Gespräch mit mir geführt hat, ohne ihn einzubeziehen. Diesen Gedanken hätte ich allein nie gehabt.”

Kategorie 2: Muster und Selbstfürsorge

Nicht jedes Treffen braucht einen akuten Fall. Manchmal geht es um Muster, die sich über Monate zeigen. “Mir fällt auf, dass ich Fälle mit jungen Müttern seit einem halben Jahr ablehne.” Oder: “Ich trinke nach Feiern öfter ein Glas Wein als früher.” Das sind keine dramatischen Bekenntnisse — es sind Beobachtungen, die in der Gruppe benannt werden können, bevor sie zum Problem werden.

Kategorie 3: Handwerk und Haltung

Wie formulierst du den Einstieg in eine Rede, wenn die Familie zerstritten ist? Was sagst du am Pult, wenn ein Trauergast ohnmächtig wird? Wie gehst du damit um, wenn der Bestatter dich bittet, den Tod zu beschönigen, obwohl du weisst, dass es ein qualvoller Sterbeprozess war?

Diese Fragen sind nicht emotional — sie sind handwerklich. Aber sie brauchen einen Ort, an dem sie besprochen werden können. Nicht als Tipp in einer Facebook-Gruppe, sondern als ernsthaftes Gespräch unter Menschen, die den Kontext kennen.


Was Peer-Support nicht leisten kann

Die Grenze ist klar, und sie muss ausgesprochen werden.

Peer-Support entlastet. Er normalisiert. Er gibt dir das Gefühl, nicht allein zu sein. Aber er ist keine Supervision und keine Therapie.

Wenn ein Fall dich über Wochen belastet. Wenn du Symptome hast — Schlafstörungen, Rückzug, emotionale Taubheit. Wenn du merkst, dass die Belastung in dein Privatleben sickert. Dann brauchst du professionelle Hilfe, nicht vier Kolleginnen im Cafe.

Die beste Peer-Gruppe der Welt kann einen blinden Fleck nicht sehen, den alle teilen. Ein Supervisor — ausgebildet, erfahren, von aussen — sieht, was die Gruppe übersieht. Deswegen: Peer-Support und Supervision sind Partner, nicht Alternativen.


Online vs. persönlich: Was funktioniert besser?

Die ehrliche Antwort: beides. Aber unterschiedlich.

Persönlich ist besser für: Den Aufbau von Vertrauen. Die ersten drei bis vier Treffen sollten vor Ort sein, wenn es irgendwie möglich ist. Körpersprache, Blickkontakt, der Moment, in dem jemand die Stimme senkt — das überträgt sich persönlich stärker als auf dem Bildschirm. Und das gemeinsame Kaffeetrinken nach dem offiziellen Teil ist oft der Moment, in dem die ehrlichsten Sätze fallen.

Online ist besser für: Kontinuität. Wenn die Gruppe über 200 Kilometer verstreut ist, ist ein monatlicher Videocall die einzige Option, die langfristig funktioniert. Online-Treffen haben eine geringere Absagequote — kein Anfahrtsweg, kein Parkplatz, kein verlorener Halbtag.

Manche Gruppen mischen beide Formate. Drei Online-Treffen, dann ein persönliches Treffen. Oder im Sommer vor Ort, im Winter online.

Wenn du mit TrauerRede.pro arbeitest, findest du in der Wissensdatenbank eine Vorlage für die Grundregeln einer Peer-Gruppe — zum Ausdrucken für das erste Treffen.


Der Unterschied zwischen Netzwerk und Peer-Support

Ein letzter Punkt, weil die Verwechslung häufig ist.

Netzwerk heisst: Du kennst andere Redner. Ihr empfehlt euch gegenseitig Aufträge, tauscht Informationen über Bestatter aus, trefft euch auf Fortbildungen. Netzwerk ist beruflich wertvoll. Es hilft dir bei Aufträgen, bei Wissen, bei Reichweite.

Peer-Support heisst: Du sprichst mit anderen Rednern über das, was der Beruf mit dir macht. Über die Fälle, die bleiben. Über die Angst, irgendwann am Pult nicht mehr sprechen zu können. Über den Moment, in dem du im Auto sitzt und nicht losfahren kannst.

Netzwerk brauchst du für dein Geschäft. Peer-Support brauchst du für dich.

Sven Brinkmann aus Bremen, der Redner, der nach drei schwierigen Fällen zwei Tage das Haus nicht verlassen hat, geht heute alle vier Wochen in seine Peer-Gruppe. Drei Kolleginnen und er, immer montags, in einer kleinen Rösterei im Viertel. “Es ist der wichtigste Termin in meinem Kalender. Nicht weil jedes Mal etwas Dramatisches passiert. Sondern weil ich weiss: Wenn es passiert, habe ich einen Ort dafür.”

Einen Ort zu haben, bevor du ihn brauchst — das ist der Kern von Peer-Support. Nicht warten, bis es brennt. Die Gruppe gründen, solange alles gut läuft. Damit sie da ist, wenn es nicht mehr gut läuft.

Häufige Fragen