Positionierung · 12 Min. Lesezeit ·

Als Trauerredner Aufträge gewinnen — Praxisleitfaden

Schreibtisch mit Notizbuch, Visitenkarten und Kaffeetasse im warmen Morgenlicht

Als Trauerredner Aufträge gewinnen — der Praxisleitfaden

Die meisten Aufträge kommen über Bestatter-Empfehlungen — nicht über Google. Wer regelmässig gebucht werden will, braucht drei Dinge: persönliche Kontakte zu Bestattungshäusern im Umkreis von 30–60 km, einen professionellen Online-Auftritt mit Google-Unternehmensprofil und eine klare Positionierung, die dich von der wachsenden Konkurrenz unterscheidet.

Dieser Leitfaden gibt dir den konkreten Fahrplan. Nicht als Theorie, sondern als Schritt-für-Schritt-Anleitung — zusammengetragen aus Gesprächen mit Rednern, die genau diesen Weg gegangen sind. Von null Aufträgen bis zur vollen Auslastung.

Bestatter-Kontakte aufbauen — dein wichtigster Akquise-Kanal

Bestatter hören Dutzende Reden im Jahr. Sie wissen, wer gut ist und wer nicht. Wenn eine Familie fragt “Kennen Sie einen guten Trauerredner?”, fällt genau ein Name — und der hängt davon ab, wen der Bestatter zuletzt erlebt hat und wem er vertraut.

Laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) arbeiten die meisten Bestattungshäuser mit einem festen Kreis freier Redner zusammen. In diese Liste kommst du nicht über eine E-Mail mit PDF-Anhang. Du kommst rein durch persönlichen Kontakt und verlässliche Arbeit.

Michael, freier Redner seit drei Jahren in der Region Stuttgart, hat das am eigenen Leib erfahren. Er schickte anfangs zwanzig E-Mails an Bestatter raus — mit professionellem PDF, Referenzen, dem ganzen Programm. Drei Antworten kamen zurück, keine davon führte zu einem Auftrag. Erst als er persönlich vorbeifuhr, Kaffee mitbrachte und zehn Minuten im Laden stand, kam der erste Auftrag. Innerhalb von sechs Monaten empfahlen ihn drei dieser Bestatter regelmässig.

Der Erstkontakt

Recherchiere die Bestattungshäuser in deinem Radius — 30 km für den Anfang, 60 km wenn du ländlich arbeitest. In einer Grossstadt wie Hamburg oder München findest du leicht 25–30 Häuser in diesem Radius. Auf dem Land in Brandenburg oder im Allgäu sind es vielleicht acht bis zwölf. Beides kann funktionieren.

Ruf an, stell dich kurz vor und frage, ob du vorbeikommen darfst. Kein Verkaufsgespräch. Du willst dich zeigen, ein Gesicht geben, deine Arbeitsweise erklären. Der Anruf dauert zwei Minuten. Sag: “Ich bin freier Trauerredner in der Region, möchte mich kurz vorstellen — passt es diese Woche mal für zehn Minuten?” Die meisten Bestatter sagen ja, weil sie selbst auf gute Redner angewiesen sind.

Bring eine einseitige Übersicht mit: Foto, Einzugsgebiet, Ablauf deiner Begleitung (Vorgespräch, Vorbereitung, Feier), Honorarrahmen, Kontaktdaten. Kein Hochglanz-Flyer mit Marketing-Sätzen. Ein Blatt, das der Bestatter in die Mappe legen kann, wenn er dich empfiehlt. DIN A4, einseitig, im oberen Drittel dein Foto. Bestatter legen diese Blätter in eine Mappe oder pinnen sie ans Schwarze Brett im Büro. Wenn dein Blatt aussieht wie ein Werbeprospekt, landet es im Papierkorb.

Was Bestatter überzeugt

Bestatter setzen ihren eigenen Ruf aufs Spiel, wenn sie dich empfehlen. Was sie brauchen:

  • Verlässlichkeit. Du bist pünktlich, erreichbar und hältst Absprachen ein. Das klingt banal, aber unzuverlässige Redner sind der häufigste Grund für Abbruch der Zusammenarbeit. Andrea aus Hannover erzählt, dass ein Bestatter ihr einmal sagte: “Die letzte Rednerin hat die Familie am Vorabend der Feier versetzt. Seitdem empfehle ich nur noch Leute, die ich persönlich kenne.” Allein dadurch, dass Andrea immer erreichbar war und innerhalb von zwei Stunden zurückrief, wurde sie zur festen Empfehlung.
  • Professionelle Kommunikation. Du stimmst dich vor der Feier mit dem Bestatter ab — Zeitrahmen, Ablauf, Musikeinsätze, besondere Wünsche der Familie. Keine Überraschungen am Tag der Feier. Ein kurzer Anruf am Tag vorher (“Ich bin morgen um 13:30 in der Kapelle, der Ablauf steht wie besprochen — gibt es noch etwas?”) kostet drei Minuten und macht einen grossen Unterschied.
  • Qualität, die sichtbar ist. Der Bestatter sitzt in der Kapelle und hört zu. Wenn die Familie danach sagt “Das war genau richtig”, hast du gewonnen.

Beziehungspflege

Der Erstkontakt ist der Anfang, nicht das Ziel. Was danach zählt:

  • Nach den ersten zwei, drei Aufträgen über einen Bestatter: kurze Rückmeldung, wie es gelaufen ist. “Die Familie hat sich sehr positiv geäussert” — das gibt dem Bestatter Bestätigung, dass seine Empfehlung richtig war.
  • Einmal im Jahr ein kurzes Update: neue Fortbildung, neuer Schwerpunkt, aktuelle Verfügbarkeit. Kein Newsletter, eine persönliche Nachricht. Am besten handschriftlich auf einer Karte — das fällt zwischen E-Mail-Fluten auf.
  • Wenn du in Urlaub bist oder eine Phase mit weniger Kapazität hast: proaktiv Bescheid geben. Bestatter schätzen es, wenn sie sich auf deine Verfügbarkeit verlassen können. Zwei Wochen vorher reicht: “Ich bin vom 15. bis 29. August nicht verfügbar. Ab dem 30. bin ich wieder da.”
  • Kleine Gesten zählen. Katrin aus dem Raum Köln bringt zu Weihnachten eine Dose selbstgebackene Plätzchen in die Bestattungshäuser, mit denen sie zusammenarbeitet. Kein Werbegeschenk, nichts Aufwendiges. Aber jeder Bestatter erinnert sich daran.

Die erste Rede über einen neuen Bestatter

Die meisten Bestatter geben dir keine drei Chancen. Die erste Rede, die du über einen neuen Kontakt hältst, entscheidet darüber, ob weitere folgen. Bereite dich gründlich vor, kläre jeden Ablauf-Punkt mit dem Bestatter ab und sei eine halbe Stunde vor Beginn da — nicht zehn Minuten.

Nutze die Zeit vor Ort. Lerne die Kapelle kennen, teste die Akustik, prüfe wo die Familie sitzt und wohin du sprichst. Frag den Bestatter, ob es Besonderheiten gibt: ein schwieriges Familienverhältnis, ein Familienmitglied, das eine eigene Ansprache halten möchte, ein Kind, das etwas vorlesen wird. Je besser du vorbereitet bist, desto reibungsloser läuft die Feier — und desto überzeugter ist der Bestatter.

Nach der Feier: kurzes Gespräch mit dem Bestatter. Nicht fragen “Wie fanden Sie es?”, sondern: “Gab es etwas, das ich beim nächsten Mal anders machen sollte?” Das zeigt Professionalität und öffnet die Tür für den nächsten Auftrag.

Online sichtbar werden — Website und Google-Profil

Bestatter-Empfehlungen sind der Hauptkanal, aber Familien googeln trotzdem. “Trauerredner Freiburg”, “freie Trauerrednerin München”, “Trauerredner in der Nähe” — diese Suchanfragen passieren täglich, und du solltest dort auftauchen.

Was viele unterschätzen: Auch Bestatter googeln. Wenn ein Bestatter deinen Namen nach dem Erstkontakt eintippt und nichts findet, schwindet das Vertrauen. Deine Online-Präsenz ist deine digitale Visitenkarte — sie muss nicht glänzen, aber sie muss existieren.

Google-Unternehmensprofil

Dein Google-Unternehmensprofil (ehemals Google My Business) erscheint im sogenannten Map Pack — dem Kartenbereich über den normalen Suchergebnissen. Für lokale Dienstleistungen ist das der sichtbarste Platz im gesamten Internet. Studien zeigen, dass 30 bis 50 Prozent aller Klicks bei lokalen Suchanfragen auf das Map Pack entfallen.

So richtest du es ein:

  • Erstelle ein Profil unter business.google.com. Wähle die Kategorie “Redner” oder “Dienstleistungsunternehmen” und ergänze in der Beschreibung “Freier Trauerredner” und dein Einzugsgebiet.
  • Lade ein professionelles Porträtfoto hoch. Kein Schnappschuss, aber auch kein Glamour-Shooting. Du solltest so aussehen, wie Familien dich bei der Feier erleben.
  • Trage dein Einzugsgebiet ein (Umkreis oder Ortsliste), deine Telefonnummer und den Link zu deiner Website.
  • Der entscheidende Hebel: Bewertungen. Google zeigt Profile mit mehr und besseren Bewertungen weiter oben an. Schon fünf bis acht ehrliche Bewertungen mit 4,8 Sternen oder höher können dich im Map Pack nach oben bringen — besonders in kleineren Regionen, wo die Konkurrenz oft nur ein bis zwei Bewertungen hat.

Pflege dein Profil aktiv. Lade alle paar Monate ein neues Foto hoch, aktualisiere deine Öffnungszeiten und beantworte Bewertungen. Google belohnt Aktivität mit besserer Sichtbarkeit.

Deine Website

Deine Website muss nicht aufwendig sein. Sie muss drei Fragen beantworten:

  1. Wer bist du? Kurzes Profil, Foto, dein Hintergrund. Nicht dein Lebenslauf — sondern warum du diesen Beruf machst und wie du arbeitest. Zwei bis drei Absätze reichen. Schreib so, wie du auch im Vorgespräch reden würdest.
  2. Was bietest du an? Ablauf deiner Begleitung: Vorgespräch, Vorbereitung, Feier. Was ist im Grundpaket enthalten? Gibt es Zusatzleistungen wie Lichterandachten, Urnenbeisetzungen oder Feiern im kleinen Kreis?
  3. Wie erreiche ich dich? Telefon, E-Mail, Kontaktformular — alles sichtbar, nicht hinter drei Klicks versteckt. Deine Telefonnummer gehört in den Header jeder Seite. Familien in einer akuten Situation greifen zum Hörer, wenn sie die Nummer sofort sehen.

Ein Baukasten wie Jimdo, Squarespace oder WordPress reicht völlig aus. Lass dich nicht in ein 3.000-Euro-Webdesign-Projekt ziehen, bevor du deine ersten 30 Reden gehalten hast. Eine saubere Seite mit drei Unterseiten (Startseite, Über mich, Kontakt) kostet dich einen Nachmittag und 10–15 Euro im Monat.

Local SEO — der eine Hebel, der zählt

Familien suchen lokal. Deine Website muss Google zeigen, wo du arbeitest. Das erreichst du, indem du:

  • Deinen Standort und dein Einzugsgebiet im Seitentitel und in Überschriften nennst. “Freier Trauerredner in Freiburg und Umgebung” ist besser als nur “Freier Trauerredner”.
  • Für grössere Einzugsgebiete separate Unterseiten anlegst — jeweils mit ein paar Sätzen, die den Bezug zur Region herstellen. Eine Seite “Trauerredner im Breisgau”, eine für “Trauerredner Schwarzwald-Baar-Kreis”. Drei bis fünf solcher Unterseiten decken dein Gebiet ab.
  • Deine Adresse oder dein Arbeitsgebiet im Footer jeder Seite angibst.
  • Dein Google-Unternehmensprofil mit deiner Website verknüpfst. Das ist der wichtigste technische Schritt — Google sieht dann die Verbindung zwischen Profil und Website und wertet beides stärker.

Thomas, der seit fünf Jahren als Trauerredner im Raum Nürnberg arbeitet, hat seine Website um vier regionale Unterseiten erweitert. Innerhalb von drei Monaten stieg er im Map Pack von Platz sechs auf Platz zwei. Die Folge: zwei bis drei Anfragen pro Monat direkt über Google — zusätzlich zu den Bestatter-Empfehlungen.

Dich klar positionieren — Spezialisierung statt Bauchladen

In Regionen, in denen der Markt voll ist, reicht “Ich bin Trauerredner” nicht mehr. Bestatter haben die Auswahl. Familien haben die Auswahl. Was dich unterscheidet, ist nicht dein Honorar — es ist dein Profil.

Zur Einordnung: Die Branche wächst. Der Anteil konfessionsloser Bestattungen liegt in Deutschland bei über 40 Prozent, Tendenz steigend. Das bedeutet mehr Bedarf an freien Rednern — aber auch mehr Wettbewerb. In Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Berlin konkurrieren teils 30 oder mehr Redner um die gleichen Bestatter-Empfehlungen.

Woran du dich spezialisieren kannst

  • Bestimmte Lebenssituationen. Kindstod, Suizid, plötzlicher Unfalltod — das sind die Fälle, vor denen sich viele Redner scheuen. Wer hier Kompetenz und Empathie beweist, wird von Bestattern gezielt für diese schwierigen Aufträge angefragt. Und diese Aufträge vergisst kein Bestatter.
  • Kultureller oder religiöser Hintergrund. Konfessionslose Feiern, interreligiöse Zeremonien, Feiern für Menschen mit Migrationshintergrund. In Regionen mit hohem Migrationsanteil ist das ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Wenn du Erfahrung mit islamisch-christlichen Feiern oder mit Trauerfeiern für die osteuropäische Community hast, sprich das aktiv an.
  • Besondere Gestaltungsformen. Naturbestattungen im Wald, Seebestattungen, Feiern mit ungewöhnlichen Ritualen oder musikalischer Gestaltung. FriedWald und RuheForst melden steigende Nachfrage — Redner, die sich hier auskennen, sind gefragt.
  • Regionaler Fokus. “Die Trauerrednerin für den Schwarzwald” ist einprägsamer als “Trauerrednerin in Süddeutschland”. Je enger der regionale Rahmen, desto stärker die Zuordnung im Kopf des Bestatters.

Spezialisierung kommunizieren

Es reicht nicht, eine Spezialisierung zu haben. Du musst sie sichtbar machen:

  • Auf deiner Website: eine eigene Unterseite für deinen Schwerpunkt. Nicht ein einzelner Satz im Über-mich-Text, sondern eine eigene Seite mit konkreten Beschreibungen deiner Erfahrung.
  • Im Gespräch mit Bestattern: “Ich habe Erfahrung mit Fällen, die andere Redner ablehnen.” Das bleibt hängen. Ein Bestatter, der einen schwierigen Suizid-Fall auf dem Tisch hat, erinnert sich an diesen Satz.
  • In deinem Google-Profil: Beschreibungstext, der dein Profil schärft.
  • In deiner E-Mail-Signatur: Ein Satz, der deine Spezialisierung nennt.

Ein Test: Beschreibe in einem Satz, warum ein Bestatter ausgerechnet dich empfehlen sollte. Wenn dieser Satz austauschbar ist, hast du noch keine Positionierung. “Ich halte einfühlsame Trauerreden” sagt jeder. “Ich begleite Familien nach Suizid und plötzlichem Tod — auch dann, wenn andere Redner absagen” — das ist ein Profil.

Empfehlungsmarketing nach der Feier

Die Trauerfeier ist vorbei, die Familie hat sich bedankt, du bist nach Hause gefahren. Für die meisten Redner endet die Arbeit hier. Für die erfolgreichen nicht.

Jede Feier hat im Schnitt 40 bis 80 Anwesende. Jeder einzelne ist ein potenzieller Kontakt — nicht sofort, aber wenn irgendwann in seinem Umfeld jemand stirbt. Und dann erinnert sich derjenige an die Stimme, die vor drei Monaten in der Kapelle gesprochen hat. Empfehlungsmarketing funktioniert nicht über Flyer oder Visitenkarten am Ausgang. Es funktioniert über Qualität, die im Gedächtnis bleibt.

Was nach der Feier passiert

Sandra, Trauerrednerin im Raum Bremen, hat eine einfache Praxis: Sie schickt jeder Familie etwa zwei Wochen nach der Feier einen handgeschriebenen Zweizeiler. Keine Werbung, kein Bewertungslink — nur ein kurzer Gruss. “Ich denke an euch. Wenn ihr etwas braucht, bin ich da.” In den ersten zwei Jahren hat sie darüber elf Folgeaufträge bekommen. Nicht von der gleichen Familie, sondern von Verwandten und Freunden, die den Zweizeiler gesehen oder davon gehört hatten.

Das Prinzip dahinter: In der Trauerphase ist die emotionale Intensität hoch. Wer in diesem Moment positiv in Erinnerung bleibt, wird weiterempfohlen. Nicht aktiv, nicht bewusst — sondern wenn jemand fragt: “Kennt ihr einen guten Trauerredner?”

Den richtigen Moment für Bewertungen finden

Nach der Trauerfeier ist nicht der richtige Moment, um eine Bewertung zu bitten. Aber drei bis vier Wochen danach — wenn die Familie die akute Trauerphase hinter sich hat — ist ein guter Zeitpunkt.

Schicke eine kurze, persönliche Nachricht. Bedanke dich für das Vertrauen. Und erwähne beiläufig, dass du dich über eine Rückmeldung auf Google freuen würdest — mit dem direkten Link zu deinem Profil. Der Link ist entscheidend: Wenn die Familie erst selbst nach deinem Profil suchen muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit um 70 Prozent. Mach es so einfach wie möglich.

Erfahrungswert: Etwa jede vierte bis fünfte Familie schreibt eine Bewertung, wenn du sie freundlich und zum richtigen Zeitpunkt darum bittest. Bei 30 Reden im Jahr sind das sechs bis acht neue Bewertungen — nach zwei Jahren hast du 12–16 Bewertungen auf Google, und das ist in den meisten Regionen die Pole Position.

Familien-Feedback an Bestatter weitergeben

Wenn eine Familie dir sagt “Das war genau das, was wir gebraucht haben” — leite das (mit Zustimmung) an den Bestatter weiter. Kurze Mail: “Wollte Ihnen rückmelden, dass die Familie sich sehr positiv über die Feier geäussert hat.”

Das bestätigt dem Bestatter seine Empfehlung. Und es hält deinen Namen in seinem Bewusstsein. Der Bestatter bekommt pro Woche Dutzende E-Mails. Eine davon ist positives Feedback zu seiner eigenen Arbeit (weil er dich empfohlen hat). Das fällt auf.

Netzwerk mit Kollegen — Konkurrenz oder Kooperation?

Der Gedanke liegt nahe, andere Trauerredner als Konkurrenz zu sehen. In der Praxis ist das Gegenteil der Fall: Dein wichtigstes Sicherheitsnetz und eine deiner besten Auftragsquellen sind andere Redner in deiner Region.

Warum Kollegen-Netzwerke Aufträge bringen

Kein Redner kann 365 Tage im Jahr verfügbar sein. Urlaub, Krankheit, Doppelbuchungen, persönliche Gründe — es gibt immer Tage, an denen du einen Auftrag nicht annehmen kannst. Wenn du in diesem Moment einen Kollegen empfiehlst, passieren zwei Dinge: Du hilfst dem Bestatter, der dringend jemanden braucht. Und der Kollege wird sich revanchieren, wenn er selbst einmal nicht kann.

Dieter, seit acht Jahren Trauerredner im Rhein-Main-Gebiet, hat ein lockeres Netzwerk mit vier anderen Rednern. Keine formale Struktur, kein Verein — sie treffen sich alle drei Monate zum Mittagessen und tauschen sich aus. Im vergangenen Jahr kamen über dieses Netzwerk insgesamt 14 Vermittlungen zustande. Aufträge, die sonst an fremde Redner gegangen wären.

Was ein gutes Kollegen-Netzwerk ausmacht

  • Drei bis fünf Redner in deiner Region reichen aus. Nicht zu viele, sonst wird die Koordination unübersichtlich.
  • Unterschiedliche Profile sind ideal. Wenn du auf Naturbestattungen spezialisiert bist und dein Kollege auf kirchennahe Feiern, ergänzt ihr euch. Bestatter merken das und fragen gezielt: “Haben Sie jemanden für eine Waldbestattung?”
  • Klare Spielregeln verhindern Konflikte. Die wichtigste: Wer vermittelt, bekommt keine Provision. Das hält die Beziehung sauber. Und der Bestatter merkt, dass es nicht um Geld geht, sondern um die beste Lösung für die Familie.
  • Regelmässiger Austausch über schwierige Fälle, neue Gestaltungsideen oder Bestatter-Erfahrungen hilft dir fachlich weiter. Supervision unter Kollegen ist kostenlos und oft wirksamer als teure Fortbildungen.

Branchenverbände und Stammtische

In vielen Regionen gibt es Redner-Stammtische oder lose Netzwerke. Berufsverbände wie die BATF (Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier e.V.) und die Freie Redner Akademie bieten regelmässige Treffen. Auch wenn du kein Vereinsmensch bist — geh mindestens ein- bis zweimal im Jahr hin. Nicht wegen der Vorträge, sondern wegen der Gespräche beim Kaffee danach. Dort entstehen die Kontakte, die später zu Aufträgen führen.

Dein Honorar richtig setzen

Über Geld redet keiner gern. Aber dein Honorar ist ein Signal — an Bestatter, an Familien und an dich selbst.

Was der Markt hergibt

Die Honorarspanne für eine Trauerrede im DACH-Raum liegt zwischen 250 und 800 Euro. Die meisten Redner bewegen sich im Bereich 350 bis 500 Euro für eine vollständige Begleitung (Vorgespräch, Redenerstellung, Feier). In Ballungsräumen und in der Schweiz liegen die Sätze höher, auf dem Land teilweise darunter.

Das Honorar deckt nicht nur die Rede selbst. Es deckt ein bis zwei Stunden Vorgespräch, vier bis acht Stunden Vorbereitung und Redenerstellung, die Fahrzeit, die emotionale Arbeit. Rechne es dir einmal durch: Bei 400 Euro und insgesamt zehn Stunden Arbeitszeit (inklusive Fahrt, Vorgespräch, Vorbereitung, Feier, Nachbereitung) landest du bei 40 Euro pro Stunde. Das ist fair, aber nicht üppig.

Häufige Fehler bei der Preisgestaltung

  • Zu günstig starten, um Aufträge zu bekommen. 150 Euro für eine komplette Begleitung signalisiert dem Bestatter nicht Grosszügigkeit, sondern Unsicherheit. Wenn du unter 300 Euro anbietest, fragt sich der Bestatter, ob du weisst, was du tust.
  • Fahrtkosten vergessen. Bei einem Einsatzgebiet von 60 km Radius kommen schnell 50–80 km zusammen. Berechne Fahrtkosten transparent — entweder pauschal oder nach Kilometern (0,40–0,50 Euro pro Kilometer ist branchenüblich).
  • Preis ohne Leistungsbeschreibung nennen. “Mein Honorar beträgt 450 Euro” sagt nichts. “Mein Honorar beträgt 450 Euro und beinhaltet ein persönliches Vorgespräch (60–90 Minuten), die individuelle Redenerstellung und die Gestaltung der Feier” — das zeigt den Wert.

Wann du den Preis erhöhst

Nach 20 bis 30 Reden hast du genug Erfahrung und Referenzen für eine Anpassung. Ein guter Zeitpunkt ist der Jahreswechsel. Kommuniziere die Änderung offen an deine Bestatter-Kontakte — zwei Monate im Voraus. In der Regel ist die Reaktion ein Schulterzucken. Bestatter wissen, was gute Arbeit kostet.

Dein Fahrplan für die ersten zwölf Monate

Monat 1–3: Fundament

  • Professionelle Website aufsetzen (muss nicht perfekt sein — sie muss die drei Kernfragen beantworten). Kosten: 100–200 Euro für Domain, Hosting und ein Jahr Baukasten-Lizenz.
  • Google-Unternehmensprofil anlegen und pflegen. Das ist kostenlos und dauert 30 Minuten.
  • Profile auf ein bis zwei Redner-Portalen erstellen.
  • Liste der Bestattungshäuser in deinem Umkreis erstellen (15–20 Adressen). Nutze Google Maps und die Gelben Seiten, notiere Namen der Inhaber und Telefonnummern.
  • Dein Ein-Seiten-Infoblatt gestalten und 30 Exemplare drucken lassen.

Monat 3–6: Bestatter-Offensive

  • Systematisch Bestattungshäuser kontaktieren. Zehn Erstgespräche als Ziel. Blockiere dir jede Woche zwei Vormittage dafür.
  • Erste Reden halten — jede einzelne nutzen, um dich zu verbessern und Referenzmaterial zu sammeln. Die Reden eins bis fünf werden nicht perfekt sein. Das ist normal.
  • Nach jeder Feier: Feedback einholen, Bewertungen sammeln, Bestatter-Rückmeldung. Leg dir eine einfache Tabelle an: Datum, Bestatter, Rückmeldung, Follow-up-Datum.
  • Deinen Schwerpunkt schärfen — nach zehn Reden weisst du, wo deine Stärke liegt. Manche Redner merken erst nach den ersten Erfahrungen, dass sie besonders gut mit Kindertrauerfeiern umgehen können. Andere stellen fest, dass sie bei Naturbeerdigungen aufblühen.

Monat 6–12: Wachstum

  • Bestatter-Kontakte vertiefen. Wer dich zweimal empfohlen hat, wird dich weiterempfehlen — wenn du den Kontakt pflegst.
  • Google-Profil hat erste Bewertungen — Sichtbarkeit steigt. Ab fünf Bewertungen merkst du den Unterschied.
  • Honorar bei Bedarf anpassen (nach 20–30 Reden hast du die Grundlage für eine Erhöhung).
  • Vernetzung mit Kollegen: Supervision, kollegialer Austausch, gegenseitige Vertretung. Such dir zwei bis drei Redner, denen du vertraust.
  • Erste Folgeaufträge durch Empfehlungen: Familien, die dich weiterempfohlen haben, Bestatter, die dich öfter anrufen.

Nach zwölf Monaten solltest du einen stabilen Grundstrom an Aufträgen haben. Nicht voll ausgelastet — das kommt im zweiten Jahr, wenn der Empfehlungseffekt sich entfaltet. Aber solide genug, um zu wissen: Das trägt.

Für den Workflow vom Vorgespräch bis zur fertigen Rede bieten digitale Werkzeuge wie TrauerRede.pro eine Struktur, die dir gerade in der Aufbauphase den Kopf freihält für das, was zählt: die Arbeit mit den Familien.

Häufige Fragen

Wie viele Bestatter sollte ich in meinem Umkreis ansprechen?

Starte mit zehn bis fünfzehn Bestattungshäusern in einem Radius von 30 Kilometern. Nicht alle werden reagieren — rechne mit einer Rücklaufquote von etwa einem Drittel. Fünf stabile Bestatter-Kontakte, die dich regelmässig empfehlen, reichen für eine solide Grundauslastung. Wichtiger als die Anzahl ist die Qualität der Beziehung: Ein Bestatter, der dich dreimal im Monat empfiehlt, ist wertvoller als zehn, die deine Visitenkarte irgendwo in der Schublade haben. Wenn du ländlich arbeitest, erweitere den Radius auf 60 Kilometer und rechne mit acht bis zehn Häusern, die du persönlich besuchst.

Lohnt sich ein Profil auf Redner-Portalen?

Ja, als Ergänzung — nicht als Hauptkanal. Portale wie zeremonienleiter.eu listen mehrere Hundert Redner im DACH-Raum und werden von Familien genutzt, die keinen Bestatter-Tipp haben. Die Investition ist gering (oft kostenlos oder 50–100 Euro Jahresgebühr). Achte auf ein professionelles Foto, eine klare Beschreibung deiner Arbeitsweise und dein Einzugsgebiet. Aber verlass dich nicht darauf — Bestatter-Empfehlungen bleiben der stärkere Kanal. Portale bringen im Schnitt ein bis drei Anfragen pro Jahr, Bestatter-Kontakte bringen ein bis drei pro Monat.

Soll ich Hochzeiten und Trauerfeiern anbieten oder mich spezialisieren?

Wenn du nebenberuflich startest, kann die Kombination sinnvoll sein, weil sie dein Redepensum erhöht und du schneller Routine gewinnst. Sobald du hauptberuflich arbeitest, spricht viel für eine klare Spezialisierung. Bestatter empfehlen lieber jemanden, der sich ausschliesslich auf Trauerfeiern konzentriert — das signalisiert Ernsthaftigkeit und Erfahrung. Die Kombination hat auch einen praktischen Nachteil: Hochzeiten finden an Samstagen statt, und Samstage sind der häufigste Tag für Trauerfeiern. Doppelbuchungen führen zu Absagen, und Absagen kosten Bestatter-Vertrauen.

Wie schnell kann ich mit regelmässigen Aufträgen rechnen?

Die meisten freien Trauerredner berichten von sechs bis zwölf Monaten bis zur Grundauslastung von vier bis sechs Reden im Monat. Die ersten 20 Reden sind eine Investition: Du baust Erfahrung auf, sammelst Referenzen und gibst Bestattern die Gelegenheit, deine Arbeit zu erleben. Nach dieser Phase greift der Empfehlungseffekt — vorausgesetzt, du hast aktiv Bestatter-Kontakte aufgebaut und nicht nur auf Website-Anfragen gewartet. Wer ausschliesslich online auf Anfragen wartet, wartet oft deutlich länger als zwölf Monate.

Brauche ich Social Media als Trauerredner?

Nicht zwingend, aber es schadet nicht. LinkedIn eignet sich für die Vernetzung mit Bestattern und Branchenkollegen — dort sind viele Bestattungshäuser mit eigenen Firmenseiten aktiv. Instagram oder Facebook können als Reputations-Schaufenster dienen — etwa mit Einblicken in deine Arbeit, ohne die Intimität einzelner Fälle preiszugeben. Teile Gedanken zum Beruf, Eindrücke von Fortbildungen oder anonymisierte Reflexionen. Aber Social Media ersetzt keinen Bestatter-Kontakt. Wenn deine Zeit begrenzt ist, investiere sie lieber in persönliche Besuche bei Bestattungshäusern als in Posts, die 30 Leute sehen.


Quellen:

  1. Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB): Trauerredner — Aufgaben und Kosten
  2. Freie Redner Ausbildung: Kundengewinnung als Trauerredner
  3. Zeremonienleiter: Redner-Netzwerk DACH

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