Trauerredner Honorar: So kalkulierst du deinen Preis

Trauerredner Honorar: So kalkulierst du deinen Preis
Freie Trauerredner in Deutschland berechnen zwischen 400 und 800 € pro Trauerfeier. In der Schweiz liegen die Honorare bei 900–1.200 CHF, in Österreich bei 400–700 €. Der reale Zeitaufwand pro Trauerfall beträgt 10–16 Stunden — vom Vorgespräch bis zur Nachbereitung. Drei Faktoren bestimmen, wo du dich in dieser Spanne positionierst: Region, Erfahrung und Leistungsumfang.
Auf einen Blick
- Marktübliche Honorare: DE 400–800 €, CH 900–1.200 CHF, AT 400–700 € pro Trauerfeier.
- Dein realer Zeitaufwand liegt bei 10–16 Stunden pro Trauerfall — Gespräch, Fahrt, Schreiben, Feier, Nachbereitung.
- Kalkuliere intern mit einem Stundensatz von 60–90 €, auch wenn du nach aussen Pauschalen kommunizierst.
- Pauschalhonorare sind Branchenstandard — sie geben Familien in einer Ausnahmesituation Planungssicherheit.
- Fahrtkosten (0,30–0,50 €/km) und Zusatzleistungen rechnest du separat ab.
Marktübliche Honorare im DACH-Raum
Die Preisspannen im deutschsprachigen Raum unterscheiden sich erheblich — nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Stadt und Land innerhalb desselben Landes.
Deutschland
Die grösste Bandbreite findest du in Deutschland. Ländliche Regionen und das Ruhrgebiet liegen bei 250–450 €. In Süddeutschland und den Grossstädten München, Hamburg, Berlin bewegen sich die Honorare zwischen 450 und 800 €, vereinzelt darüber.
Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) verzeichnet eine zunehmende Nachfrage nach freien Rednern: Rund 40 % der Trauerfeiern in deutschen Grossstädten werden mittlerweile von freien Rednern gestaltet, nicht von kirchlichen Vertretern. Das drückt die Preise nicht — es professionalisiert den Markt.
Laut einer Erhebung des Netzwerks freieredner.com liegt der Durchschnitt bei 400–800 €, wobei erfahrene Redner mit klarer Positionierung den oberen Bereich bedienen. Einstiegs-Honorare unter 350 € sind betriebswirtschaftlich kaum tragfähig, wenn du hauptberuflich arbeitest.
Ein Blick auf einzelne Regionen macht die Unterschiede greifbar:
- München und Oberbayern: 550–800 €. Die Lebenshaltungskosten sind hoch, die Zahlungsbereitschaft entsprechend. Markus, der seit sechs Jahren im Münchner Süden arbeitet, hat sein Honorar schrittweise von 480 auf 720 € angehoben — ohne einen einzigen Bestatter zu verlieren. Sein Argument: “Wer in München eine Dreizimmerwohnung bezahlt, kann kein 400-Euro-Honorar halten.”
- Hamburg und Schleswig-Holstein: 500–700 €. Die Hafenstadt hat eine lange Tradition weltlicher Trauerfeiern. Im Hamburger Umland sinken die Preise auf 400–550 €.
- Berlin: 400–650 €. Trotz Hauptstadt-Status liegen die Honorare niedriger als in München oder Hamburg. Der Grund: hohe Rednerdichte und eine preissensiblere Klientel in vielen Bezirken. In Charlottenburg oder Zehlendorf sind 600 € realistisch, in Marzahn oder Spandau eher 400 €.
- Ruhrgebiet und Niederrhein: 300–450 €. Die Region hat eine starke Bestatterkultur, aber niedrigere Einkommen. Sabine aus Essen berichtet, dass sie mit 380 € gestartet ist und nach 40 Reden auf 480 € angehoben hat — allerdings nur bei Direktkunden, nicht bei Bestatter-Vermittlungen.
- Ostdeutsche Bundesländer: 250–400 €. In Sachsen, Thüringen und Brandenburg liegen die Honorare am unteren Ende. Das spiegelt die allgemeine Einkommensstruktur wider. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach freien Rednern in Leipzig und Dresden spürbar gestiegen — dort nähern sich die Preise langsam dem westdeutschen Niveau.
- Südbaden und Schwarzwald: 450–650 €. Die Nähe zur Schweiz hebt das Preisniveau. Einige Redner im Grenzgebiet bedienen beide Märkte und rechnen je nach Land unterschiedlich ab.
Schweiz
In der Schweiz liegen die Honorare bei 900–1.200 CHF pro Trauerfeier. Das höhere Niveau erklärt sich durch die allgemein höheren Lebenshaltungskosten, längere Anfahrtswege in ländlichen Kantonen und den Umstand, dass freie Abdankungen in der Deutschschweiz gesellschaftlich etablierter sind als in Deutschland.
Billigangebote unter 700 CHF sind im Schweizer Markt selten. Wer in der Schweiz arbeitet, kann mit stabileren Honoraren rechnen — muss aber auch die höheren Betriebskosten einkalkulieren.
Auch innerhalb der Schweiz gibt es Unterschiede. In Zürich und der Goldküste sind 1.100–1.200 CHF Standard. Im Berner Oberland oder im Wallis liegt die Spanne eher bei 900–1.000 CHF. Thomas, der im Kanton Luzern arbeitet, rechnet grundsätzlich 1.050 CHF ab — und hat in sechs Jahren nur zweimal einen Auftrag am Preis verloren. Im Tessin und in der Romandie gelten eigene Marktbedingungen, die hier nicht abgebildet sind.
Ein Sonderfall sind die langen Anfahrten in ländlichen Kantonen. Wer im Engadin oder im Jura arbeitet, fährt pro Trauerfeier leicht 80–120 km einfach. Fahrtkosten werden in der Schweiz oft grosszügiger entschädigt als in Deutschland — 0,70 CHF pro Kilometer sind keine Seltenheit.
Österreich
Für Österreich gibt es weniger öffentliche Daten. Aus den Websites österreichischer Redner und der Nähe zum süddeutschen Markt lässt sich eine Spanne von 400–700 € ableiten. Wien und Salzburg liegen am oberen Ende, ländliche Regionen eher bei 400–500 €.
Wien hat den aktivsten Markt. Die Bestattung Wien (das grösste Bestattungsunternehmen Österreichs und eines der grössten Europas) vermittelt regelmässig an freie Redner, allerdings zu festen Konditionen. Andrea, die seit vier Jahren in Wien arbeitet, berichtet von einem wachsenden Direktkundenanteil: “Immer mehr Familien suchen mich über meine Website, nicht über den Bestatter. Da kann ich 650 € durchsetzen.” In Graz und Linz pendeln sich die Honorare bei 450–550 € ein, in Tirol und Vorarlberg bei 500–600 € — die Nähe zur Schweiz und zum süddeutschen Markt stützt das Niveau.
Übersichtstabelle
| Region | Honorar-Spanne | Durchschnitt |
|---|---|---|
| Deutschland ländlich | 250–450 € | ~350 € |
| Deutschland Grossstädte | 450–800 € | ~600 € |
| Schweiz | 900–1.200 CHF | ~1.050 CHF |
| Österreich | 400–700 € | ~550 € |
Was dein Zeitaufwand pro Trauerfall wirklich kostet
Die meisten Online-Portale nennen “6–10 Stunden Arbeitsaufwand”. Das ist die Untergrenze für eine solide Arbeit. Realistischer sieht es so aus:
| Tätigkeit | Zeitaufwand |
|---|---|
| Telefonische Erstabstimmung | 0,5 h |
| Anfahrt und Rückfahrt zum Vorgespräch | 1–2 h |
| Vorgespräch bei der Familie | 1,5–2 h |
| Rede strukturieren und schreiben | 3–5 h |
| Absprachen mit Bestatter und Friedhof | 0,5–1 h |
| Anfahrt zur Trauerfeier, Wartezeit, Durchführung | 2–3 h |
| Nachbereitung (Rede versenden, Rechnung, Dokumentation) | 0,5–1 h |
| Summe | 9,5–16 h |
Ein Honorar von 500 € bei 14 Stunden Aufwand ergibt einen effektiven Stundensatz von 36 €. Davon gehen noch Fahrtkosten, Versicherungen, Fortbildungen und unbezahlte Zeiten für Akquise und Verwaltung ab. Bei 500 € arbeitest du unter dem, was ein Handwerker berechnet.
Das ist keine Klage — es ist ein Kalkulationsfakt. Wer ihn kennt, setzt sein Honorar bewusster an.
Die unsichtbaren Stunden
Was in der Tabelle oben fehlt, sind die Stunden, die du keinem einzelnen Trauerfall zuordnen kannst. Jörg aus Hannover hat das mal über drei Monate getrackt. Ergebnis: Pro Monat kamen 22 Stunden zusammen, die in keiner Rechnung auftauchen. Dazu gehörten:
- Akquise und Netzwerkpflege: Bestatter besuchen, Visitenkarten verteilen, Stammtische der lokalen Bestattervereinigung. Etwa 4–6 Stunden pro Monat.
- Website und Sichtbarkeit: Texte aktualisieren, Bewertungen beantworten, Google-Business-Profil pflegen. 2–3 Stunden pro Monat.
- Verwaltung: Rechnungen schreiben, Belege sortieren, Steuerberater zuarbeiten, Terminkalender verwalten. 3–4 Stunden pro Monat.
- Fortbildung: Seminare, Fachliteratur, kollegiale Beratung. 2–4 Stunden pro Monat.
- Telefonanfragen ohne Auftrag: Nicht jedes Erstgespräch wird zum Auftrag. Bei einer Konversionsrate von 70–80 % fallen pro Monat 2–3 Stunden für Gespräche an, die nichts einbringen.
Wenn du acht Trauerfeiern im Monat hältst, verteilen sich diese 22 Stunden auf etwa 2,7 zusätzliche Stunden pro Fall. Bei vier Feiern pro Monat sind es schon 5,5 Stunden. Das erklärt, warum Redner mit wenigen Aufträgen einen deutlich niedrigeren effektiven Stundensatz haben.
Ein konkretes Rechenbeispiel
Petra arbeitet in der Region Nürnberg. Sie hält im Schnitt sechs Trauerfeiern pro Monat und berechnet 580 €. Ihr durchschnittlicher Zeitaufwand pro Fall: 13 Stunden direkt plus 3,5 Stunden anteilige Verwaltung und Akquise. Das ergibt 16,5 Stunden pro Fall. Ihr effektiver Stundensatz: 35,15 €. Nach Abzug von Fahrtkosten (durchschnittlich 40 € pro Fall), Versicherungen (anteilig 95 € pro Monat) und Betriebskosten landet sie bei etwa 30 € netto pro Stunde.
Petra hat das durchgerechnet und ihr Honorar auf 650 € angehoben. Zwei von 14 Bestattern in ihrer Kartei haben kurz gezögert, keiner hat die Zusammenarbeit beendet. Ihr effektiver Stundensatz liegt jetzt bei 39,40 € — immer noch bescheiden, aber ein spürbarer Unterschied am Monatsende.
Dein Honorar in vier Schritten kalkulieren
Schritt 1: Zeitaufwand ehrlich erfassen
Führe für fünf Trauerfälle ein Zeitprotokoll. Notiere jeden Handgriff — auch die zehn Minuten, in denen du nach der Feier noch mit der Tochter am Ausgang stehst. Aus diesen fünf Fällen berechnest du deinen Durchschnitt.
Nutze dafür kein kompliziertes Tool. Ein Notizbuch oder eine einfache Tabelle auf dem Handy reicht. Entscheidend ist, dass du auch die kleinen Blöcke erfasst: die 15 Minuten abends, in denen du nochmal über einen Formulierungswechsel nachdenkst. Die halbe Stunde Autofahrt, in der du dir überlegst, wie du den schwierigen Teil der Biografie erzählst. Das gehört alles zur Arbeitszeit.
Schritt 2: Ziel-Stundensatz festlegen
Dein interner Stundensatz muss mehr abdecken als deine Arbeitszeit. Er enthält:
- Urlaubs- und Krankheitstage (du bist Freiberufler, niemand zahlt das für dich)
- Akquise-Zeit und Verwaltung
- Fortbildungen und Supervision
- Versicherungen (Berufshaftpflicht, Krankenversicherung)
- Rentenvorsorge
- Betriebskosten (Auto, Telefon, Website, Büro)
Für eine hauptberufliche Tätigkeit liegt ein realistischer Ziel-Stundensatz bei 60–90 €. Wer nebenberuflich arbeitet, kann niedriger ansetzen — sollte aber wissen, dass er damit den Marktpreis für alle drückt.
Eine grobe Formel zur Einordnung: Rechne deinen gewünschten Netto-Jahreslohn, addiere 30 % für Sozialabgaben und Versicherungen, dann nochmal 20 % für Betriebskosten und Leerlauf. Teile das durch die realistisch abrechenbaren Stunden pro Jahr (bei sechs Trauerfeiern im Monat und 13 Stunden pro Fall: rund 930 Stunden). Das Ergebnis ist dein Mindeststundensatz.
Schritt 3: Rechnung aufmachen
Beispiel: 12 Stunden Durchschnittsaufwand × 70 € Ziel-Stundensatz = 840 € Grundhonorar.
Liegt dein Markt bei 550–650 €, heisst das: Du musst entweder effizienter werden, dich höher positionieren oder akzeptieren, dass du unter deinem Ziel arbeitest. Alle drei Optionen sind legitim — solange du die Rechnung kennst.
Noch ein zweites Beispiel zur Orientierung: Christine arbeitet in Stuttgart. Sie will 48.000 € netto im Jahr verdienen. Mit Sozialabgaben und Betriebskosten braucht sie 72.000 € Bruttoumsatz. Bei sieben Trauerfeiern pro Monat (84 im Jahr) muss jede Feier im Schnitt 857 € einbringen. In Stuttgart ist das realistisch — im Nordschwarzwald mit dem gleichen Aufwand nicht. Christine hat sich deshalb bewusst auf den Stuttgarter Raum plus 30-km-Radius konzentriert.
Schritt 4: Markt-Realität abgleichen
Dein Wunschhonorar nützt nichts, wenn du keine Aufträge bekommst. Prüfe:
- Was berechnen vergleichbare Redner in deiner Region?
- Wie reagieren Bestatter auf deinen Preis?
- Wie viele Anfragen lehnen dich wegen des Preises ab?
Wenn weniger als 10 % der Anfragen am Preis scheitern, bist du wahrscheinlich zu günstig. Wenn mehr als 40 % abspringen, liegt dein Preis über dem, was dein Markt hergibt — oder deine Aussendarstellung transportiert den Wert nicht.
Ein guter Indikator ist auch das Verhalten der Bestatter. Wenn ein Bestatter dir sagt “Die Familie findet das etwas hoch”, dann hat meistens der Bestatter das Problem — nicht die Familie. Familien kennen selten die Marktpreise. Der Bestatter vergleicht dich mit anderen Rednern auf seiner Liste. Frag also ruhig nach: “Welche Preisspanne haben deine anderen Redner?” Damit weisst du, wo du stehst.
Pauschale oder Stundenhonorar — was funktioniert besser?
Pauschale: der Branchenstandard
Die Mehrheit der freien Trauerredner arbeitet mit Pauschalpreisen. Der Grund ist einfach: Familien in einer Trauersituation brauchen Klarheit, nicht eine offene Rechnung, bei der jede Stunde tickt.
Eine Pauschale enthält typischerweise:
- Ein ausführliches Vorgespräch (Hausbesuch oder Video-Call)
- Konzeption und Schreiben der individuellen Rede
- Abstimmung mit dem Bestattungshaus
- Durchführung der Trauerfeier (bis 60 Minuten)
- Fahrten im Nahbereich (oft bis 20–30 km)
- Nachbereitung und Rede als Dokument für die Familie
Stundenhonorar: für Zusatzleistungen
Stundensätze eignen sich für alles, was über das Grundpaket hinausgeht. Ein zweites persönliches Treffen, eine separate Urnenbeisetzung an einem anderen Tag oder eine aufwendige Recherche bei ungewöhnlichen Biografien. Üblich sind 50–100 € pro Stunde für solche Zusatzleistungen.
Hybridmodell
In der Praxis arbeiten viele Redner mit einem Hybridmodell: feste Pauschale für das Grundpaket, klar kommunizierte Stundensätze für Extras. Das schafft Transparenz, ohne die Planungssicherheit der Pauschale aufzugeben.
Paket-Strategie: Basis, Standard, Premium
Drei Leistungsstufen decken unterschiedliche Bedürfnisse ab — und lösen ein Problem, das viele Redner kennen: Du bietest “eine Trauerfeier” an und musst dann im Einzelfall klären, was drin ist und was extra kostet.
Pakete machen dein Angebot vergleichbar, ohne dich auf eine Preisebene festzunageln. Die Familie wählt, was zu ihr passt. Du weisst vorher, wie viel Zeit du einplanen musst.
Basis-Paket
Zielgruppe: Familien mit kleinerem Budget oder Trauerfeiern im engsten Kreis.
Beispielpreis: 420 € (DE ländlich), 500 € (DE Grossstadt), 900 CHF (CH)
Enthalten: ein Vorgespräch (persönlich oder per Video, bis 1,5 h), individuelle Rede (20–25 Minuten Redezeit), Durchführung der Trauerfeier, Fahrten bis 15 km, Rede als PDF per Mail.
Nicht enthalten: Abstimmungsschleife zur Rede, Hausbesuch (Video-Gespräch stattdessen), Musikkonzept, Koordination mit dem Bestatter über das Nötigste hinaus.
Dieses Paket funktioniert gut für den Einstieg. Oliver aus Brandenburg hat damit seine ersten 25 Reden gehalten und konnte den Preis nach acht Monaten auf 500 € anheben, weil seine Referenzen stimmten.
Standard-Paket
Zielgruppe: Die Mehrheit der Trauerfeiern. Familien, die eine würdige, persönliche Zeremonie wollen, ohne Luxus-Extras.
Beispielpreis: 580–650 € (DE), 1.050 CHF (CH), 550 € (AT)
Enthalten: ausführliches Vorgespräch als Hausbesuch (bis 2 h), individuelle Rede mit einer Korrekturschleife, Durchführung der Trauerfeier inkl. Moderation, Musikansagen, Koordination mit dem Bestatter, Anfahrten bis 25 km, Rede als gestaltetes Dokument für die Familie, ein telefonisches Nachgespräch.
Extras auf Anfrage: weitere Korrekturschleifen, Musikkonzept, separate Beisetzung.
Das Standard-Paket ist dein Anker. Die meisten Familien werden es buchen. Es deckt alles ab, was eine gute Trauerfeier braucht. Karin in Düsseldorf arbeitet seit drei Jahren mit diesem Modell bei 620 € und bedient damit den grössten Teil ihres Marktes.
Premium-Paket
Zielgruppe: Familien mit hohem Anspruch an Individualität. Trauerfeiern mit vielen Gästen, komplexen Familienstrukturen oder besonderen Wünschen.
Beispielpreis: 850–950 € (DE), 1.150–1.300 CHF (CH), 700 € (AT)
Enthalten: alles aus dem Standard-Paket, plus zweites Vorgespräch (persönlich oder online), Musik-Konzept mit konkreten Vorschlägen und Absprache mit dem Musiker, Begleitung der gesamten Abschiedsfeier auch über 60 Minuten, Erinnerungsmappe mit Rede-Text und ggf. Fotos, Fahrten bis 40 km, zwei Korrekturschleifen.
Extras: zweisprachige Rede +150 €, eigene Beschallung +120 €, Trauerbegleitungsgespräche 90 €/h.
Dieses Paket setzt voraus, dass du den Mehrwert auch liefern kannst. Eine Erinnerungsmappe, die nur ein Ausdruck in einem Klarsichthefter ist, rechtfertigt keinen Aufpreis. Hier zählt die Verarbeitung.
Wie du die drei Pakete kommunizierst
Stelle alle drei Pakete auf deiner Website oder in deinem Angebotsdokument nebeneinander dar. Der psychologische Effekt: Die meisten Menschen wählen die mittlere Option. Das Standard-Paket wird dein meistgebuchtes Angebot. Das Basis-Paket fängt preissensible Anfragen auf, ohne dass du unter Wert arbeiten musst. Das Premium-Paket zeigt, dass du mehr kannst — und die wenigen Buchungen auf diesem Level heben deinen Monatsumsatz spürbar an.
Benenne die Pakete nicht “Basis-Standard-Premium”. Diese Begriffe klingen nach Mobilfunkvertrag. Besser: “Abschied”, “Abschied Plus”, “Abschied Komplett” — oder ähnliche Bezeichnungen, die zur Branche passen.
Fahrtkosten und Zusatzleistungen transparent abrechnen
Fahrtkosten
Fast alle Redner berechnen Fahrtkosten zusätzlich zum Grundhonorar. Üblich sind:
- Freikilometer: 15–30 km im Honorar enthalten, darüber km-Pauschale
- km-Satz: 0,30–0,50 € pro gefahrenem Kilometer (Hin- und Rückfahrt)
- Bei weiten Anreisen: Hotel und Verpflegung nach Absprache oder als Pauschale
Manche Redner arbeiten mit einer Fahrkostenpauschale pro Entfernungszone. Das ist einfacher zu kommunizieren als ein km-Satz, der bei jeder Trauerfeier anders ausfällt.
Beachte: Du fährst pro Trauerfall in der Regel zweimal — einmal zum Vorgespräch, einmal zur Feier. Wenn beides am selben Ort stattfindet (das Gespräch im Bestattungshaus, die Feier auf dem gleichen Friedhof), ist es eine Fahrt weniger. Aber oft liegt das Wohnhaus der Familie 15 km vom Friedhof entfernt. Dann hast du schnell 50–80 km an Gesamtfahrstrecke.
Renate aus dem Allgäu hat das Zonen-Modell eingeführt, nachdem sie gemerkt hat, dass die km-Abrechnung bei Familien Unbehagen auslöst. Ihre Staffelung:
| Entfernung (einfach) | Fahrtkostenpauschale |
|---|---|
| Bis 20 km | Im Honorar enthalten |
| 21–40 km | 35 € |
| 41–60 km | 65 € |
| 61–80 km | 95 € |
| Über 80 km | Nach Absprache |
Der Vorteil: Die Familie sieht sofort, was auf sie zukommt. Kein Nachrechnen, keine Überraschung auf der Rechnung. Und du sparst dir die Diskussion, ob du wirklich 47 km gefahren bist oder nur 42.
Zusatzleistungen mit klaren Preisen
Jede Leistung, die über dein Grundpaket hinausgeht, verdient einen eigenen Preis. Formuliere das in deinem Angebot, bevor der Fall beginnt — nicht danach. Typische Zusatzleistungen:
- Eigene Beschallungstechnik: 80–150 €
- Organisation von Live-Musik: 100–300 € (je nach Aufwand)
- Zweisprachige Rede: +100–200 €
- Separate Urnenbeisetzung: 250–350 €
- Gestaltete Erinnerungsmappe: 50–80 €
- Nachgespräch mit der Familie: 50–80 €/h
Transparenz schützt dich vor Diskussionen nach der Trauerfeier. Und sie zeigt Professionalität — Familien schätzen es, wenn sie vorher wissen, woran sie sind.
Ein Fehler, den Einsteiger oft machen: Sie bieten Extras mündlich an, ohne vorher den Preis zu nennen. Dann kommt die Familie nach der Feier und sagt: “Wir dachten, die Urnenbeisetzung nächste Woche gehört dazu.” Ab dem Moment verhandelst du aus einer schwachen Position. Schick stattdessen ein kurzes Angebot per Mail, bevor du die Zusatzleistung erbringst. Zwei Sätze reichen: “Die separate Urnenbeisetzung am Donnerstag berechne ich mit 280 €. Soll ich den Termin einplanen?”
Wenn Bestatter Provision abziehen — so gehst du damit um
Reden wir über das Thema, das in keinem Ausbildungskurs vorkommt und auf keiner Website steht: Bestatter-Provisionen.
Die Realität sieht so aus. Viele Bestatter vermitteln Trauerfälle an freie Redner und ziehen dafür einen Anteil ab. Die Spanne reicht von 5 % bis 20 % deines Honorars, in Einzelfällen sogar mehr. Manche ziehen den Betrag direkt von der Zahlung ab, andere erwarten eine separate Rechnung von dir an sie.
Wie verbreitet ist das?
Verlässliche Zahlen gibt es nicht — das Thema wird ungern öffentlich besprochen. Aus Gesprächen mit Rednern in verschiedenen Regionen lässt sich abschätzen: Etwa ein Drittel der Bestattungshäuser in Deutschland berechnet irgendeine Form von Vermittlungsgebühr. In städtischen Regionen mit hoher Rednerdichte etwas häufiger, in ländlichen Gebieten seltener. In der Schweiz ist die Praxis weniger verbreitet, in Österreich regional unterschiedlich.
Drei Wege, damit umzugehen
Weg 1: Einkalkulieren und akzeptieren. Wenn ein Bestatter dir regelmässig vier Aufträge pro Monat bringt und 10 % einbehält, kostet dich das bei 600 € Honorar 240 € im Monat. Dafür sparst du Akquise-Aufwand. Die Rechnung kann aufgehen — muss sie aber nicht. Prüfe, was dich ein eigener Auftrag an Marketing-Aufwand kosten würde.
Weg 2: Honorar anpassen. Manche Redner haben zwei Preise: einen für Direktkunden und einen höheren für Bestatter-Vermittlungen, der die Provision kompensiert. Heinrich aus Frankfurt rechnet bei Direktkunden 600 € ab, bei Bestatter-Vermittlungen 680 €. Der Bestatter zieht 10 % ab, Heinrich landet bei 612 € — also sogar leicht über dem Direktpreis. Das funktioniert, solange der Bestatter den höheren Preis gegenüber der Familie vertreten kann.
Weg 3: Klare Grenze setzen. Du kannst Provision ablehnen. Das ist dein gutes Recht. Dafür brauchst du allerdings genug Direktkunden oder genug Bestatter ohne Provisionsanspruch auf deiner Liste. Claudia in Köln hat nach zwei Jahren entschieden, nur noch mit Bestattern zusammenzuarbeiten, die keine Provision verlangen. Sie hat drei von elf Kontakten verloren und dafür mehr in ihre Website und Google-Sichtbarkeit investiert. Heute kommen 60 % ihrer Aufträge direkt.
Was du vermeiden solltest
Sprich das Thema bei der Erstvorstellung beim Bestatter von dir aus an. Nicht vorwurfsvoll, sondern sachlich: “Wie läuft die Abrechnung bei Ihnen — über die Familienrechnung oder direkt?” Damit signalisierst du, dass du das Geschäft kennst. Überrascht werden ist die schwächere Position.
Und: Lass dir die Konditionen schriftlich bestätigen, bevor du den ersten Auftrag annimmst. Eine kurze Mail reicht. “Wie telefonisch besprochen: Mein Honorar beträgt 620 €, Sie behalten 60 € als Vermittlungspauschale ein, ich erhalte 560 € innerhalb von 14 Tagen.” Damit gibt es später keinen Spielraum für Missverständnisse.
Deine Rechnung: Was drauf muss und was nicht
Eine saubere Rechnung ist kein Verwaltungsaufwand — sie ist ein Teil deiner Aussenwirkung. Wer professionell abrechnet, wird als Profi wahrgenommen.
Pflichtangaben nach deutschem Recht
Wenn du in Deutschland als Freiberufler oder Kleinunternehmer abrechnest, muss deine Rechnung folgende Angaben enthalten:
- Dein vollständiger Name und deine Anschrift
- Name und Anschrift des Rechnungsempfängers (Familie oder Bestatter)
- Dein Ausstellungsdatum
- Eine fortlaufende Rechnungsnummer
- Art und Umfang der Leistung (z.B. “Gestaltung und Durchführung einer Trauerfeier für Herrn Max Müller am 15.05.2026, Friedhof Ohlsdorf, Hamburg”)
- Zeitpunkt der Leistung (Tag der Trauerfeier)
- Der Rechnungsbetrag
- Deine Steuernummer oder USt-IdNr.
- Bei Kleinunternehmern: der Hinweis nach § 19 UStG (“Gemäss § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“)
Leistungsbeschreibung: konkret, nicht vage
Schreibe nicht “Trauerredner-Dienstleistung”. Schreibe: “Individuelle Trauerfeier für Frau Maria Schneider, bestehend aus: persönliches Vorgespräch am 10.05.2026, Konzeption und Verfassen der Trauerrede, Durchführung der Feier am 15.05.2026 auf dem Waldfriedhof Unterschleissheim.”
Das hat zwei Vorteile. Erstens erkennt die Familie (oder der Bestatter) sofort, wofür sie zahlt. Zweitens ist die Rechnung bei einer Betriebsprüfung eindeutig zuordenbar.
Rechnungsempfänger: Familie oder Bestatter?
Beide Varianten sind üblich. Wenn der Bestatter dich vermittelt hat, rechnet er dein Honorar oft als Fremdleistung ab. Du stellst die Rechnung an den Bestatter, der Bestatter legt sie auf die Gesamtrechnung an die Familie um. In diesem Fall ist der Bestatter dein Rechnungsempfänger.
Wenn die Familie dich direkt beauftragt hat, geht die Rechnung an die Familie. Manche Redner bieten in diesem Fall eine dezente Gestaltung der Rechnung an — kein kühles Standardformular, sondern ein sauberes Layout mit deinem Logo. Das fällt auf und bleibt im Gedächtnis, falls die Familie dich weiterempfiehlt.
Sonderfall: Schweiz und Österreich
In der Schweiz brauchst du keine USt-IdNr., solange du unter der MwSt-Befreiungsgrenze von 100.000 CHF bleibst. Deine Rechnung muss aber deine UID-Nummer enthalten, sobald du MwSt-pflichtig bist. In Österreich gelten ähnliche Pflichtangaben wie in Deutschland, mit dem Unterschied, dass die Kleinunternehmergrenze bei 55.000 € (Bruttogrenze seit 2025) liegt und die USt 20 % beträgt.
Zahlungsfristen und Mahnwesen
14 Tage Zahlungsziel sind Standard. Bei Bestattern kannst du 30 Tage akzeptieren — sie zahlen in der Regel zuverlässig. Bei Direktkunden empfiehlt sich eine Vorkasse oder Teilzahlung: 50 % bei Auftragserteilung, 50 % nach der Trauerfeier. Das schützt dich vor Zahlungsausfällen in einer emotional aufgeladenen Situation.
Wenn eine Zahlung ausbleibt: Schicke eine freundliche Erinnerung nach 7 Tagen über das Zahlungsziel hinaus. Eine formelle Mahnung nach weiteren 14 Tagen. Die Erfahrung zeigt, dass Zahlungsausfälle in dieser Branche selten sind — unter 2 % bei den meisten Rednern. Aber sie kommen vor, und eine klare Struktur von Anfang an hilft.
Drei Paketmodelle für unterschiedliche Positionierungen
Modell 1: Einstieg (ländliche Region oder Berufsstart)
Grundpauschale: 420 €
Enthalten: ein Vorgespräch (persönlich oder per Video, bis 1,5 h), individuelle Rede, Durchführung der Trauerfeier, Fahrten bis 15 km.
Zielgruppe: Berufseinsteiger oder Redner in Regionen mit niedrigerem Preisniveau. Nach 20–30 Reden und soliden Referenzen anheben auf 500–550 €.
Modell 2: Profi-Paket (mittlere bis grosse Stadt)
Grundpauschale: 620 €
Enthalten: ausführliches Vorgespräch bei der Familie (bis 2 h), telefonische Nachbesprechung, individuelle Rede mit Abstimmungsschleife, Durchführung der Trauerfeier inkl. Moderation und Musikansagen, Koordination mit Bestatter und Friedhof, Rede als gestaltetes Dokument für die Familie, Fahrten bis 25 km.
Extras: zusätzliche Treffen 80 €/h, km-Pauschale ab 26 km: 0,42 €/km, Urnenbeisetzung an separatem Termin: 280 €.
Modell 3: Premium-Begleitung (Grossstadt oder Spezialisierung)
Grundpauschale: 850 € (DE/AT) / 1.150 CHF (CH)
Enthalten: alles aus dem Profi-Paket, plus zweites Vorgespräch oder Online-Termin, Musik-Konzept mit konkreten Vorschlägen, Begleitung der gesamten Abschiedsfeier (auch über 60 Minuten), Erinnerungsmappe mit Rede und Fotos, Fahrten bis 40 km.
Extras: zweisprachige Rede +150 €, Technik (eigene Beschallung) +120 €, Trauerbegleitungsgespräche 90 €/h.
Dieses Modell funktioniert, wenn du dich klar positionierst — etwa über besondere Erfahrung mit bestimmten Todesumständen, eine Spezialisierung auf säkulare Zeremonien oder einen nachweisbar hohen Individualisierungsgrad. Tools wie TrauerRede.pro helfen, den Rede-Workflow bei diesem Leistungsniveau effizient zu halten, ohne an der Qualität des Vorgespräch zu sparen.
Steuerliche Einordnung — ein kurzer Überblick
Drei Aspekte, die du als freier Trauerredner kennen solltest:
Kleinunternehmerregelung (Deutschland): Bis 25.000 € Jahresumsatz (seit 2025) kannst du ohne Mehrwertsteuer abrechnen. Überschreitest du die Grenze, werden 19 % fällig — es sei denn, du fällst unter den ermässigten Satz von 7 % als freiberufliche künstlerische Tätigkeit. Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil (V R 61/14) klargestellt, dass Redner unter bestimmten Bedingungen als Künstler gelten können.
Österreich: 20 % Umsatzsteuer, Kleinunternehmergrenze bei 55.000 € (Bruttogrenze seit 2025).
Schweiz: 8,1 % Mehrwertsteuer, Befreiung bis 100.000 CHF Jahresumsatz.
Die Details sind komplex und hängen von deiner individuellen Situation ab. Kläre deinen Fall mit einem Steuerberater, der Freiberufler betreut. Die wenigen hundert Euro Beratungshonorar sparst du durch korrekte Rechnungsstellung mehrfach wieder ein.
Der 7-%-Sonderfall in Deutschland
Das Urteil BFH V R 61/14 verdient einen genaueren Blick. Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Trauerredner unter bestimmten Voraussetzungen als Künstler im Sinne des UStG gelten können. Die Voraussetzung: Deine Leistung geht über eine reine Dienstleistung hinaus und hat einen eigenschöpferischen, individuellen Charakter.
Was heisst das konkret? Wenn du jede Rede individuell konzipierst, die Zeremonie gestalterisch planst und die Rede persönlich vorträgst, stehen die Chancen gut, dass der ermässigte Satz greift. Wenn du dagegen vorrangig mit Textbausteinen arbeitest und die Feier nach einem Standardablauf durchführst, wird es schwieriger.
Martin aus Leipzig hat den 7-%-Satz beantragt und vom Finanzamt zunächst eine Ablehnung erhalten. Sein Steuerberater hat Einspruch eingelegt und die individuelle Gestaltung jeder Rede dokumentiert: Konzeptskizzen, Vorgespräch-Notizen, die fertige Rede. Nach sechs Monaten kam die Genehmigung. Die Ersparnis bei einem Jahresumsatz von 35.000 €: rund 3.700 € weniger Umsatzsteuer-Abführung. Oder anders gesagt: fast fünf Trauerfeiern, die du weniger halten musst, um auf denselben Nettoumsatz zu kommen.
Wann die Kleinunternehmerregelung zur Falle wird
Die 25.000-€-Grenze klingt nach viel Spielraum. Aber rechne nach: Bei sechs Trauerfeiern pro Monat und 500 € Honorar bist du bei 36.000 € Jahresumsatz — weit über der Grenze. Selbst bei vier Feiern pro Monat landest du bei 24.000 €.
Viele Redner starten als Kleinunternehmer und überschreiten die Grenze im zweiten oder dritten Jahr. Das ist kein Problem — wenn du darauf vorbereitet bist. Plane den Wechsel zur Regelbesteuerung ein. Kläre vorher, ob du den 7-%-Satz beantragen kannst. Und passe dein Honorar an, bevor die MwSt fällig wird, nicht danach.
Dieser Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Die genannten Schwellen und Sätze können sich ändern — prüfe den aktuellen Stand bei deinem Steuerberater oder Finanzamt.