Trauerredner nebenberuflich — die Werktags-Falle

Trauerredner nebenberuflich — die Werktags-Falle meistern
Rund 60 Prozent aller Trauerredner in Deutschland starten nebenberuflich. Das Problem: 90 Prozent der Bestattungen finden dienstags bis freitags zwischen 10 und 14 Uhr statt. Wer einen klassischen Hauptjob hat, verpasst fast jeden Auftrag. Dieser Artikel zeigt dir 5 Strategien, die funktionieren.
Auf einen Blick
- 90 % aller Trauerfeiern finden werktags zwischen 10 und 14 Uhr statt — das grösste Hindernis für Nebenberufler.
- Realistisch sind 2 bis 4 Reden pro Monat mit einem Büro-Hauptjob, 4 bis 6 mit flexiblem Job oder Teilzeit.
- Drei Strategien: Arbeitgeber-Arrangement, Wochenend-Nische oder Teilzeit-Übergang.
- Der Übergang zum Vollzeitredner dauert 12 bis 18 Monate — kündige nicht zu früh.
- Nebenberuflich bedeutet 4 bis 6 Reden pro Monat. Vollzeit ermöglicht 8 bis 12.
Warum die Werktags-Falle existiert
Friedhöfe, Krematorien und Trauerhallen vergeben ihre Zeitfenster nach festen Regeln. Die meisten kommunalen Friedhöfe öffnen morgens um 8 und schliessen um 16 Uhr. Trauerfeiern werden in Blöcke gelegt — 10:00, 11:30, 13:00, 14:30 Uhr sind typische Slots. Samstags bieten manche Friedhöfe einen eingeschränkten Betrieb an. Sonntags ist geschlossen.
Dazu kommt die Logik der Bestatter. Eine Bestattung wird in der Regel 3 bis 5 Werktage nach dem Todesfall angesetzt. Der Bestatter koordiniert Friedhof, Krematorium, Blumenschmuck und Redner — alles innerhalb von Werktags-Öffnungszeiten. Samstags-Termine erfordern Sondergenehmigungen, Zuschläge und organisatorischen Mehraufwand.
Das Ergebnis: Der Markt für Trauerreden ist ein Werktags-Markt. Und nebenberufliche Redner sitzen am Schreibtisch, wenn die Anrufe kommen.
Jens Ackermann aus Dortmund hat das in seinen ersten sechs Monaten schmerzhaft gelernt. Als Sachbearbeiter in der Kommunalverwaltung war er montags bis freitags von 7:30 bis 16:00 Uhr gebunden. „Drei Bestatter hatten mich auf ihrer Liste. Aber jedes Mal, wenn ein Auftrag kam, war ich nicht verfügbar. Nach vier abgelehnten Anfragen hat mich der erste Bestatter wieder gestrichen.”
Die Werktags-Falle ist kein Randproblem. Sie ist der Hauptgrund, warum nebenberufliche Trauerredner langsamer wachsen als erwartet — und warum manche nach einem Jahr aufgeben, obwohl die Qualität ihrer Arbeit stimmt.
Strategie 1: Das Arbeitgeber-Arrangement
Die direkteste Lösung ist ein Arrangement mit deinem Arbeitgeber. Das klingt einfacher als es ist — aber es ist häufiger möglich, als die meisten denken.
Gleittage oder Stundenausgleich. Wenn dein Arbeitgeber Gleitzeitkonten führt, kannst du für einen Trauerfall-Tag Stunden vorarbeiten oder nacharbeiten. Ein Trauerfall kostet dich typischerweise 4 bis 6 Stunden am Stück — Anfahrt, Feier, Rückfahrt. Mit einer Gleitzeitregelung lässt sich das kompensieren, ohne Urlaubstage zu opfern.
Unbezahlter Urlaub auf Abruf. Manche Arbeitgeber stimmen zu, dass du 2 bis 3 Tage pro Monat unbezahlten Urlaub nimmst — wenn du es 48 Stunden vorher ankündigst. Das funktioniert vor allem in Unternehmen mit flexiblen Teams, die deine Abwesenheit auffangen können.
Teilzeitmodell. Der nachhaltigste Weg: Du reduzierst deine Wochenstunden von 40 auf 32 oder 30. Den freien Tag legst du bewusst auf Mittwoch oder Donnerstag — die beiden stärksten Tage für Trauerfeiern. So hast du jede Woche einen festen Slot für Aufträge.
Sabine König aus Stuttgart arbeitet als Personalreferentin in einem mittelständischen Unternehmen. Sie hat ihrem Vorgesetzten ein konkretes Angebot gemacht: 32-Stunden-Woche, jeden Mittwoch frei, dafür volle Erreichbarkeit an den anderen Tagen. „Ich habe ihm erklärt, was ich nebenberuflich mache und warum Mittwoch der wichtigste Tag ist. Er fand das Thema respektabel — und hat zugestimmt. Seitdem halte ich 3 bis 4 Reden pro Monat.”
Das Gespräch mit dem Arbeitgeber erfordert Vorbereitung. Drei Punkte, die helfen:
- Erkläre den Zeitbedarf konkret. Nicht „ich brauche ab und zu einen Tag frei”, sondern „ich brauche 2 bis 3 Werktage pro Monat, jeweils 4 bis 6 Stunden, mit 48 Stunden Vorlauf”.
- Biete eine Kompensation an. Vorarbeit, Nacharbeit, Erreichbarkeit per Handy am freien Tag für dringende Fragen.
- Betone den Übergangcharakter. Wenn du mittelfristig in die Vollzeit-Selbständigkeit wechseln willst, sag das. Die meisten Arbeitgeber reagieren besser auf einen transparenten Plan als auf eine schleichende Doppelbelastung.
Strategie 2: Wochenend-Feiern als Einstiegs-Nische
Nicht alle Trauerfeiern finden werktags statt. Es gibt eine wachsende Nische für Samstags-Zeremonien — und als Nebenberufler hast du dort einen strukturellen Vorteil gegenüber Vollzeitredner, die sich das Wochenende freihalten wollen.
Urnenfeiern finden häufiger samstags statt als Erdbestattungen. Der Grund: Bei einer Urnenbeisetzung gibt es keinen Zeitdruck durch Kühlung oder Friedhofslogistik. Die Asche ist im Krematorium, die Feier kann Tage oder Wochen später angesetzt werden. Familien, die berufstätige Angehörige aus anderen Städten einladen, wählen oft den Samstag.
Waldbestattungen in Bestattungswäldern wie FriedWald oder RuheForst haben eigene Regeln. Viele dieser Standorte bieten Samstags-Termine an, weil sie auf Familien ausgerichtet sind, die aus der Region anreisen. Die Zeremonien sind kürzer und schlichter — das passt gut zu Einsteigern, die ihren Stil noch entwickeln.
Konfessionslose Feiern in privaten Räumen oder Eventhallen unterliegen keinen Friedhofs-Öffnungszeiten. Wenn eine Familie die Trauerfeier in einem Restaurant, einem Vereinsheim oder zu Hause abhält, ist der Samstag eine natürliche Wahl.
Thomas Lindner aus Freiburg hat seine ersten 15 Reden ausschliesslich samstags gehalten. „Ich habe den Bestattern gesagt: Samstags bin ich immer verfügbar. Werktags nur im Ausnahmefall. Die meisten hatten mindestens eine Samstags-Feier pro Monat, die sie besetzen mussten.” Nach einem Jahr hatte er genug Erfahrung und Referenzen, um den Schritt in die Teilzeit-Selbständigkeit zu wagen.
Die Einschränkung ist real: Samstags-Feiern machen je nach Region nur 10 bis 15 Prozent des Marktes aus. Du wirst damit nicht mehr als 1 bis 3 Reden pro Monat füllen. Aber als Einstieg — um Routine zu gewinnen, Bestatter kennenzulernen und ein Portfolio aufzubauen — reicht das.
Strategie 3: Der Teilzeit-Übergang
Die dritte Strategie ist keine Einzel-Massnahme, sondern ein Plan. Du baust deine Trauerredner-Tätigkeit stufenweise auf, während du den Hauptjob kontrolliert zurückfährst.
Phase 1: Fundament (Monat 1 bis 6)
Du arbeitest vollzeit in deinem Hauptjob. Nebenbei baust du dein Netzwerk auf. Du besuchst Bestatter, erstellst eine Website, meldest dein Gewerbe an — oder genauer: deine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt. Du hältst 1 bis 3 Reden pro Monat, vorwiegend samstags und an Gleittagen.
In dieser Phase investierst du 8 bis 12 Stunden pro Woche in deine Nebenberufstätigkeit: 2 bis 3 Stunden für Akquise und Verwaltung, der Rest für die eigentlichen Trauerfaelle. Das ist machbar, aber es ist nicht locker. Dein Wochenende wird zum Arbeitstag.
Petra Müller aus Bremen hat in Phase 1 einen Fehler gemacht, den sie anderen ersparen will. „Ich habe versucht, unter der Woche abends die Reden zu schreiben — nach acht Stunden Büro. Die Qualität hat gelitten. Seitdem schreibe ich ausschliesslich am Samstagvormittag, wenn mein Kopf frisch ist.”
Phase 2: Teilzeit-Wechsel (Monat 7 bis 12)
Wenn du nach sechs Monaten regelmässig 3 bis 4 Reden pro Monat hältst und 2 bis 3 Bestatter dich aktiv empfehlen, ist der Zeitpunkt für den nächsten Schritt. Du reduzierst deinen Hauptjob auf 60 bis 80 Prozent. Den freien Tag legst du auf einen Werktag — idealerweise Mittwoch oder Donnerstag.
Mit einem freien Werktag steigt deine Verfügbarkeit sprunghaft. Bestatter können dich für die gefrageteren Werktags-Slots einplanen. Deine Auftragsrate klettert auf 4 bis 6 Reden pro Monat.
Das Risiko in dieser Phase: Du verdienst weniger im Hauptjob, aber dein Nebeneinkommen deckt die Lücke noch nicht vollständig. Rechne damit, dass dein Gesamteinkommen für 3 bis 6 Monate niedriger liegt als zuvor. Ein finanzielles Polster von 3 Monatsausgaben gibt dir Sicherheit.
Phase 3: Vollzeit-Entscheidung (Monat 13 bis 18)
Die entscheidende Frage: Reichen deine Aufträge für ein tragfähiges Einkommen? Als Faustregel gilt: 8 bis 10 Reden pro Monat bei einem Honorar von 450 bis 600 Euro ergeben ein monatliches Bruttoeinkommen von 3.600 bis 6.000 Euro. Davon gehen Steuern, Versicherungen und Betriebskosten ab.
Kündige deinen Hauptjob erst, wenn du 3 Monate in Folge mindestens 8 Reden gehalten hast. Nicht 3 Monate mit 8 Anfragen — sondern 3 Monate mit 8 gehaltenen und bezahlten Reden.
Markus Vogel aus Nürnberg hat den Sprung nach 14 Monaten gemacht. „Ich hatte von Januar bis März durchgehend 9 bis 11 Reden pro Monat. Mein Steuerberater hat mir ausgerechnet, dass ich damit besser stehe als mit meinem Angestelltengehalt. Im April habe ich gekündigt.” Heute hält er 10 bis 12 Reden pro Monat und bearbeitet den Grossraum Nürnberg-Fürth-Erlangen.
Realistische Zahlen: Nebenberuf vs. Vollzeit
| Kennzahl | Nebenberuflich | Vollzeit |
|---|---|---|
| Reden pro Monat | 2 bis 6 | 8 bis 12 |
| Honorar pro Rede | 400 bis 550 EUR | 450 bis 700 EUR |
| Monats-Brutto | 800 bis 3.300 EUR | 3.600 bis 8.400 EUR |
| Zeitaufwand pro Woche | 8 bis 15 h | 30 bis 45 h |
| Bestatter-Kontakte | 3 bis 5 aktive | 8 bis 15 aktive |
| Einzugsgebiet | 30 bis 50 km | 50 bis 80 km |
Die Zahlen basieren auf Erfahrungswerten aus dem deutschsprachigen Raum. In der Schweiz liegen die Honorare höher (900 bis 1.200 CHF), das Auftragsvolumen für Einzelredner ist aber ähnlich. In ländlichen Regionen Ostdeutschlands sind die Honorare niedriger, dafür die Konkurrenz geringer.
Drei Fehler, die Nebenberufler immer wieder machen
Fehler 1: Zu viele Bestatter gleichzeitig ansprechen
Martin Fischer aus Leipzig hat in seiner ersten Woche 20 Bestatter angeschrieben. Drei haben sich gemeldet — und alle drei hatten innerhalb von zwei Wochen einen Auftrag. Martin konnte keinen davon annehmen, weil alle auf einen Mittwochvormittag fielen und er arbeitete. „Ich hätte mit fünf Bestattern anfangen sollen, nicht mit zwanzig. So habe ich drei Kontakte verbrannt, bevor ich einen einzigen Auftrag übernommen hatte.”
Starte mit 5 bis 8 Bestattern in deinem engsten Umkreis. Sage ihnen ehrlich, an welchen Tagen du verfügbar bist. Ein Bestatter, der weiss, dass du samstags und mittwochs kannst, wird dich für passende Termine buchen. Ein Bestatter, der dich dreimal anruft und dreimal eine Absage bekommt, streicht dich.
Fehler 2: Den Hauptjob zu früh kündigen
Die Aufregung nach den ersten gelungenen Reden ist gross. Du bekommst positives Feedback, Familien bedanken sich, Bestatter empfehlen dich weiter. Das fühlt sich an wie ein Momentum — und manche verwechseln es mit einer tragfähigen Geschäftsgrundlage.
Die Realität: Die Auftragslage als Trauerredner schwankt. Dezember und Januar sind starke Monate. Juli und August sind schwach. Ostern und Weihnachten bremsen den Betrieb für je eine Woche. Drei gute Monate in Folge können von einem schwachen Quartal gefolgt werden.
Christina Bauer aus München hat nach fünf Monaten gekündigt. Im September und Oktober hatte sie je 6 Reden gehalten. Im November waren es 8. Sie rechnete hoch: 8 mal 12 Monate mal 500 Euro gleich 48.000 Euro Jahresumsatz. Im Dezember kamen noch 7 Reden. Im Januar brach die Nachfrage ein — 3 Aufträge. Im Februar 2. „Ich hatte kein Polster und plötzlich Existenzangst. Im Nachhinein hätte ich mindestens bis März warten sollen.”
Fehler 3: Qualität unter Zeitdruck opfern
Nebenberuflich bedeutet: Du schreibst Reden am Abend nach dem Hauptjob. Du führst Trauergespräche in der Mittagspause per Telefon. Du fährst zur Trauerfeier mit knappem Zeitpuffer, weil du morgens noch im Büro warst.
Der Zeitdruck hat Konsequenzen. Reden, die unter Müdigkeit geschrieben werden, klingen anders als Reden, die mit klarem Kopf entstehen. Trauergespräche, die du in 30 Minuten am Telefon führst, fördern weniger Details zutage als ein 90-minütiges Gespräch bei der Familie zu Hause.
Hier kann Technologie helfen. Tools wie TrauerRede.pro strukturieren den Workflow vom Trauergespräch bis zur fertigen Rede und sparen dir Verwaltungszeit — Zeit, die du in die Qualität deiner Texte stecken kannst.
Die Lösung ist nicht „schneller arbeiten”, sondern „weniger Aufträge annehmen, als du theoretisch könntest”. 3 gut vorbereitete Reden pro Monat bringen mehr für deinen Ruf als 5 hastig geschriebene. Bestatter merken den Unterschied — und Familien erst recht.
Rechtliches für Nebenberufler
Anzeigepflicht beim Arbeitgeber
Die meisten Arbeitsverträge enthalten eine Klausel zur Anzeige von Nebentätigkeiten. Du musst deinen Arbeitgeber in der Regel informieren, bevor du die erste Rechnung schreibst. Ein Verbot kann er nur aussprechen, wenn ein Interessenkonflikt vorliegt oder deine Hauptarbeit leidet. Im öffentlichen Dienst brauchst du eine ausdrückliche Genehmigung.
Freiberuflichkeit und Finanzamt
Trauerredner gelten in Deutschland als freiberuflich. Du meldest deine Tätigkeit beim Finanzamt an und füllst den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus. Die Kleinunternehmerregelung greift automatisch, wenn du die Umsatzgrenzen nicht überschreitest — das betrifft im Nebenberuf fast jeden. Für Details zur Kleinunternehmerregelung lies unseren separaten Artikel dazu.
Versicherungen
Eine Berufshaftpflicht ist Pflicht — sie kostet 150 bis 300 Euro im Jahr. Deine private Haftpflicht deckt berufliche Schäden nicht ab. Solange du im Hauptjob angestellt bist, bleibt deine Krankenversicherung dort verankert. Falls dein Gesamteinkommen aus Haupt- und Nebenjob bestimmte Grenzen übersteigt, kann sich dein KV-Beitrag erhöhen. Kläre das individuell mit deiner Krankenkasse.
Der richtige Zeitpunkt für den Sprung
Es gibt keinen perfekten Moment. Aber es gibt Indikatoren, die dir zeigen, dass der Übergang realistisch ist:
- Du hältst seit mindestens 6 Monaten regelmässig 4 oder mehr Reden pro Monat.
- Mindestens 3 Bestatter empfehlen dich aktiv und rufen dich für Aufträge an — nicht du sie.
- Dein Nebeneinkommen deckt mindestens 60 Prozent deiner Fixkosten.
- Du hast ein finanzielles Polster für 3 bis 6 Monate ohne Aufträge.
- Du spürst, dass dir Aufträge entgehen, weil du nicht verfügbar bist.
Der letzte Punkt ist oft der entscheidende. Wenn Bestatter dich nicht mehr anrufen, weil sie wissen, dass du werktags nicht kannst, hast du ein Deckel-Problem. Du kannst nebenberuflich nicht über eine bestimmte Auftragszahl hinauswachsen. An diesem Punkt steht die Entscheidung: Entweder du akzeptierst das Plateau — oder du machst den Sprung.
Andreas Berger aus Köln hat drei Jahre nebenberuflich gearbeitet. Als Schichtarbeiter im Krankenhaus hatte er flexible Tage und kam auf 5 bis 6 Reden pro Monat. „Ich hätte früher wechseln können, aber die Sicherheit des Hauptjobs war mir wichtig. Als mein Bestatter-Netzwerk so gross wurde, dass ich regelmässig Aufträge ablehnen musste, wusste ich: Jetzt oder nie.” Seit 2024 arbeitet er vollzeit und hält 10 bis 11 Reden pro Monat.
Zusammenfassung
Nebenberuflich als Trauerredner zu starten ist der realistische Weg für die Mehrheit. Die Werktags-Falle ist das grösste Hindernis — aber kein unüberwindbares. Mit einem Arbeitgeber-Arrangement, einer bewussten Wochenend-Nische oder einem geplanten Teilzeit-Übergang lässt sich der Einstieg strukturieren.
Drei Dinge gelten für jeden Nebenberufler: Sei ehrlich zu deinen Bestattern, was deine Verfügbarkeit betrifft. Nimm nicht mehr Aufträge an, als du in guter Qualität abliefern kannst. Und kündige deinen Hauptjob erst, wenn die Zahlen stimmen — nicht wenn das Gefühl stimmt.
Häufige Fragen zum nebenberuflichen Start als Trauerredner
Wie viele Reden kann ich nebenberuflich realistisch halten?
Mit einem klassischen Büro-Hauptjob sind 2 bis 4 Reden pro Monat das Maximum. Das setzt voraus, dass du Gleittage oder unbezahlten Urlaub für Werktags-Termine nehmen kannst. Wer in Schichtarbeit oder Teilzeit arbeitet, schafft 4 bis 6 Reden. Der limitierende Faktor ist nie die Redezeit, sondern der Vorbereitungsaufwand von 10 bis 16 Stunden pro Trauerfall.
Kann mein Arbeitgeber mir den Nebenjob als Trauerredner verbieten?
In der Regel nicht, solange du deine Pflichten im Hauptjob erfüllst. Die meisten Arbeitsverträge verlangen eine Anzeige der Nebentätigkeit. Dein Arbeitgeber kann sie nur untersagen, wenn ein Interessenkonflikt besteht oder deine Hauptarbeit leidet. Im öffentlichen Dienst gelten strengere Regeln — dort brauchst du eine ausdrückliche Genehmigung.
Wie schaffe ich den Übergang zum Vollzeitredner?
Plane 12 bis 18 Monate. In den ersten 6 Monaten baust du dein Netzwerk auf und hältst 2 bis 4 Reden pro Monat neben dem Hauptjob. In Monat 7 bis 12 reduzierst du auf Teilzeit. Ab Monat 13 prüfst du, ob dein Auftragspolster für 8 bis 10 Reden reicht. Kündige erst, wenn du 3 Monate in Folge genug Aufträge für ein tragfähiges Einkommen hattest.
Lohnt sich die Spezialisierung auf Wochenend-Trauerfeiern?
Als Einstiegsstrategie ja. Urnenfeiern, Waldbestattungen und konfessionslose Feiern finden häufiger samstags statt als klassische Erdbestattungen. Rechne mit 1 bis 3 Reden pro Monat. Langfristig ist es ein Engpass, weil 85 bis 90 Prozent des Marktes auf Werktage entfallen. Aber zum Aufbau von Erfahrung und Bestatter-Kontakten reicht es.
Welche Hauptberufe lassen sich gut mit dem Trauerredner-Nebenberuf verbinden?
Am besten Berufe mit flexibler Zeiteinteilung: Selbständige, Freiberufler, Lehrer mit freien Vormittagen, Schichtarbeiter und Teilzeitkräfte. Auch Berufe im Sozialwesen oder in der Seelsorge bieten inhaltliche Schnittmengen. Schlecht vereinbar sind starre Büro-Jobs ohne Gleitzeit und Berufe mit wochenlang fixierten Schichtplänen.
Was verdiene ich als nebenberuflicher Trauerredner realistisch?
Bei 3 bis 5 Reden pro Monat und 400 bis 550 Euro Honorar liegt dein Zusatzverdienst zwischen 1.200 und 2.750 Euro brutto. Nach Abzug von Fahrtkosten, Versicherung und Steuern bleiben etwa 900 bis 2.000 Euro netto. In der Schweiz sind die Honorare höher, die Auftragszahlen ähnlich.
Brauche ich eine eigene Berufshaftpflicht als Nebenberufler?
Ja. Deine private Haftpflicht deckt berufliche Schäden nicht ab. Eine Berufshaftpflicht für freie Redner kostet 150 bis 300 Euro im Jahr. Prüfe vor dem ersten Auftrag, ob der Tarif auch Tätigkeiten auf Friedhöfen und in Trauerhallen abdeckt.
Hinweis: Die genannten Zahlen zu Honoraren und Auftragsvolumen basieren auf Erfahrungswerten und Branchendaten aus dem DACH-Raum. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Für arbeitsrechtliche Fragen zum Thema Nebentätigkeit wende dich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.